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Indien – so kann man oft hören – ist kein
Land, sondern ein Kontinent. Ein Kontinent, auf dem Sie von Nord
nach Süd und West nach Ost die unterschiedlichsten Menschen
treffen, die verschiedensten Sprachen hören und vielerlei Sitten
und Bräuche kennenlernen können. Auch die Landschaften wechseln
stets und stellen sich als ein Kaleidoskop grundverschiedener
Gegenden dar. Es gibt nur wenige Länder auf dieser Erde, die all
dies zu bieten haben. Unvergeßlich sind die Eindrücke, die
Indien vermittelt; sie gehen unter die Haut. Ganz gleich, ob sie
fasziniert oder schockiert sind, vergessen kann man Indien nach
einer Reise nicht mehr. Es ist nicht einfach, Indien in den
Griff zu bekommen, und nicht wenige Indienbesucher setzen sich
sicher dankbar wieder in ihren bequemen Flugzeugsessel, weil sie
nach den gegensätzlichen Eindrücken fliehen wollen. Dennoch
bleiben die Erlebnisse während einer Indienreise haften, und
vielleicht sitzen such Sie bereits nach einem Jahr wieder in
einer Maschine, die Sie erneut nach Indien bringt.
Der Grund hierfür liegt in der unendlichen Vielfalt, in der
Indien sich dem Besucher darstellt. Es sind die riesigen
Entfernungen, die beeindrucken, aber auch das Menschengewirr,
die prächtigen Paläste und die erschütternde Armut. Weite Ebenen
erstrecken sich ebenso gesichtslos über Hunderte von Kilometern,
wie das gewaltige Bergmassiv des Himalaya majestätisch alles
überragt. Das Essen kann hervorragend wie einfallslos sein, die
öffentlichen Verkehrsmittel so aufregend wie unbequem und
langweilig. In Indien ist
nichts genauso, wie Sie es erwarten.
Indien ist aber auch weit davon entfernt, ein Land zu sein, das
einfach zu bereisen ist. Die Verkehrsmittel lassen häufig zu
Wünschen übrig. Auch die Armut wird Sie tief bedrücken, und die
indische Bürokratie kann manchmal sogar die Ruhe eines indischen
Heiligen ins Wanken geraten lassen. Selbst der hartgesottenste
Globetrotter wird irgendwann während seiner Reise durch Indien
völlig am Ende sein. Aber trotz allem ist Indien eine – und
sicher nicht nur eine – Reise wert.
Auf einen einfachen Nenner gebracht hat Indien die Form eines
auf die Spitze gestellten Dreiecks, in dessen Norden sich die
Gebirgskette des Himalaya erhebt. Zu ihr gehören die erhabene
tibetanische Region von Ladakh sowie die stolzen, schönen
Himalaya-Gebiete von Kaschmir, Himachal Pradesh, der Garwhal
Himallaya von Uttar Pradesh sowie die Gegenden von Darjeeling
und Sikkim. Nach Süden schließt sich dann das flache
Ganges-Becken an, in dessen Nordwesten der farbenprächtige und
verhältnismäßig wohlhabend farbenprächtige und wohlhabende
Punjab, die Hauptstadt Delhi sowie die wichtigen Touristenorte
Agra (mit dem Taj Mahal), Khajuraho, Varanasi und der heilige
Ganges liegen. Ganz im Norden grenzt diese Ebene an den Golf von
Bengalen. Dort findet man auch die von Menschen wimmelnde Stadt
Kalkutta, in der sich das ganze Elend und all die gravierenden
Probleme Indiens zu summieren scheinen.
Südlich dieser Ebene schließt sich das Dekkan-Plateau an. Der
aufmerksame Reisende spürt hier noch heute den Aufstieg und den
Zerfall der früheren Hindu-und Moslem-Königreiche. Hier liegt
auch die Weltstadt Bombay, erbaut von den Briten als den
Nachfolgern der Könige. Will man Indiens Geschichte erzählen, so
kommt man nicht umhin, auch die ständig miteinander
rivalisierenden Könige zu erwähnen. Klar erkennbar ist dies
heute noch an Orten wie Bijapur, Mandu, Golconda sowie anderen
zentralen. Bleibt schließlich noch der feuchte Süden Indiens.
Hier konnte der Islam nur zögernd Fussen. Der noch heute
vorherrschende Hinduismus wurde stark geprägt durch Einflüsse
von außen, ist hier aber auch besonders überschwenglich
anzutreffen. Die Tempelstädte im Süden Indiens sind
grundverschieden gegenüber denen im Norden; sie sind wesentlich
farbenprächtiger.
Für jeden Indienbesucher wird Indien das sein, was er aus seiner
Reise macht und welche Zielvorstellungen er bereits vor seiner
Abreise hat. Sind Sie nur an Tempeln interessiert, dann kommen
Sie hier voll auf Ihre Kosten, denn Tempel gibt es im Überfluß,
und zwar in den unterschiedlichsten Baustilen und Typen. Genug,
um am Ende verwirrt zu sein, wenn man nicht gut dosiert.
Geschichtsfanatiker werden eine Unmenge Forts, verlassene
Städte, Ruinen, Schlachtfelder und Denkmäler vorfinden, alle mit
ihrer eigenen Geschichte. Und auch derjenige, der nur am Strand
liegen möchte, hat die Qual der Wahl; zufrieden wird in jedem
Falle auch der fanatischste Sonnenanbeter sein. Indien hält aber
auch für Bergfreunde und Wanderer ein breitgefächertes Angebot
bereit. Die Möglichkeiten sind vielfältig, und unvergeßlich sind
ganz sicher Trekking-Touren im Himalaya. Diese Bergwelt
umschließt noch immer einsame Wege und nahezu wilde, unberührte
Gegenden. Wer aber Indien nur sehen, spüren und fühlen möchte,
der hat dazu genug Gelegenheiten: in den überfüllten Bussen und
Zügen, in denen das Reisen sicher nicht immer ein reines
Vergnügen ist, in denen sich Indien aber doch hautnath
offeriert. Eine Indienreise schlisset dies alles ein. Dorthin
fährt man nicht einfach, um nur zu verreisen oder um sich nur
etwas anzuschauen. Indien ist die Reiseerfahrung total, ein
Angriff auf Sinne und Gefühle, aber auch ein Land, das man nie
vergißt. |