Indische Kultur -  Malerei, - Bildhauerei - Architektur und Tanz

 

Indische Kultur -  Malerei - Bildhauerei - Architektur und Tanz

 

Malerei, Bildhauerei und Architektur: Diese Kunstrichtungen basieren in Indien auf einem religiösen Hintergrund, so daß das Verständnis der Werke stets auch gewisse Kenntnis der Religion erfordert. Die ersten Kunstgegenstände fanden sich im Indus-Tal, das im heutigen Pakistan liegt. Das waren aber noch kleinere Skulpturen, denn erst in der maurischen Periode der indischen Geschichte erlebte die Kunst eine erste Blütezeit. Diese klassische Schule buddhistischer Kunst erreichte ihren Höhepunkt unter dem mächtigen Herrscher und Buddha-Verehrer Ashoka. Die hervorragenden Skulpturen dieser Periode lassen sich am besten in Sanchi bewundern. Die dann folgenden Sungas setzten diese künstlerische Tradition fort. 

Als dieses Reich zerfiel, bildete sich in Nord-Indien eine neue Kunstrichtung: die Ghandara Schule. Das Gebiet liegt etwa um Peshawar im heutigen Pakistan. Diese neue Schule der Kunst war eine Kombination aus buddhistischer Kunst und starkem griechischen Einfluß, der auf die Nachfahren Alexanders des Großen zurückgeht. In diese Periode fallen auch die ersten Darstellungen Buddhas, denn früher verehrte man ihn lediglich durch Symbole, wie Fußabdrücke oder Stupas. Zur gleichen Zeit entwickelte sich zwischen Agra und Delhi die Kunstrichtung von Mathura. Auch hier war der religiöse

Einfluß des Buddhismus unverkennbar, jedoch zeigten sich erste Abwandlungen in Richtung Brahmanismus, dem Vorläufer des Hinduismus. In dieser Zeit begann man auch mit der Anfertigung von Yakshinis, Figuren junger Mädchen, die wir heute aufgrund ihrer so reichhaltigen Ausschmückung bewundern. 

Ein geradezu goldenes Zeitalter erlebte die indische Kunst in der Gupta-Periode von 320-600 n. Chr. Damals entwickelten sich die Darstellungen des Buddha zu ihrer heutigen Form, denn die typischen Merkmale von Bildern und Skulpturen des Buddha, wie z. B. Kleidung und Handhaltung, haben sich bis zum heutigen Tage kaum geändert. Damit war die Kunst des Buddhismus aber auch zu Ende, denn der Hinduismus lebte wieder auf. Zum gleichen Zeitpunkt, als im Norden Indiens die Kunst des Buddhismus während der Gupta-Zeit ihrem Höhepunkt zustrebte, entwickelte sich im Süden des Landes eine starke Hindu-Kultur. Künstler beider Kunstrichtungen schufen Skulpturen, gegossen in Metall nach dem Prinzip der verlorenen Form, und größere Darstellungen aus Stein. 

 

Die folgenden tausend Jahre waren gekennzeichnet durch eine langsame, aber stetige Entwicklung der indischen Hindu-Kunst, die bis zum blühenden Mittelalter anhielt. Sehr gut sichtbar ist diese Entwicklung in den Höhlen von Ajanta und Ellora. Dort sind einige der ältesten Wandmalereien von Indien zu sehen. Anhand von Skulpturen kann man die Entwicklung dieser Kunst über ihre gesamte Entwicklung hinweg verfolgen: von den plumpen und steifen älteren Figuren der Buddha-Kunst bis hin zu den aussagekräftigen, in Form und Bewegung einmaligen Darstellungen der Hindu-Zeit. Absoluter Höhepunkt dieser Schaffensperiode war die Zeit, in der bildhauerische Elemente und Reliefs Bestandteil der Architektur wurden. Eine klare Grenze zu ziehen und zu sagen, was Bildhauerei und was Architektur ist, fällt schwer. Einige der besten Beispiele sind die Hoysala-Tempel in Karnataka, der kunstvoll gearbeitete Sonnentempel in Konarak sowie die Chandelas-Tempel in Khajuraho. Bei all diesen Bauten versucht die Architektur, in Konkurrenz zu den bildhauerischen Elementen zu treten, und beides ist sowohl in überwältigender Qualität wie auch in erdrückender Vielfalt vertreten. Ein äußerst interessantes und häufiges Element sind die erotischen Darstellungen. Die himmlischen Jungfrauen einer früheren Zeit sind so deutlich in Szene gesetzt, und zwar was Positionen und Möglichkeiten anbetrifft, daß für Phantasie gar kein Raum mehr bleibt. Die Kunst

war damals nicht nur auf die Darstellung von Göttern und Göttinnen beschränkt. Jedem Ereignis des Alltags gab man genügend Raum, und wie man sieht, spielte der Sex zu jener Zeit eine wichtige Rolle im Leben der Inder. Die Ankunft der Moslems hatte auf die Kunst eine verheerende Auswirkung. Sie haßten andere Religionen sowie fremde Götter und zerstörten daher blindlings alles, was ihnen begegnete. Obwohl diese frühen Invasoren sich bei der Kunst fast ausschließlich auf die Malerei beschränkten, erlebte die indische Kunst dennoch ein weiteres goldenes Zeitalter unter den Moguln. Am bekanntesten dürfte die Malerei von Miniaturen sein, die sie meisterhaft beherrschten. Diese unwahrscheinlich detaillierten und außerordentlich farbenfrohen Bilder stellten Ereignisse und Geschehen in den prächtigen Palästen der Moguln dar. Darüber hinaus gibt es noch Bilder mit Jagdszenen oder Pflanzen sowie Portraits. Zur gleichen Zeit entwickelte sich aber auch eine volkstümliche Kunstrichtung. In ihr findet man eine Kombination aus der Miniaturmalerei der Moguln und der religiösen Kunstrichtungen Indiens. Die Künstler der bekannten Schulen von Rajasthan und Mewar fügten Szenen aus dem Leben Krishnas hinzu. Er wird stets in Blau dargestellt. Interessant ist dabei, daß der persischen Kunst unterlag, jedenfalls beiden Miniaturen und den sehr genauen Zeichnungen. Die bei den Persern übliche Perspektive übernahmen sie jedoch nicht, sie blieben fast ausnahmslos zweidimensional. Anders war dies in den nordindischen Schulen von Jammu, Basohli und Kangra, wo die Pahari-Miniaturen einen deutlichen Einfluß der Schule der Moguln aufweisen. Ihre oft religiösen Themen sind allerdings der Rajasthan-Schule näher. Die Malereien von Basohli sind in recht dunklen Farben gehalten und enthalten viele Goldtöne, während die Pahari-Malereien eher blaß und fein gehalten sind. 

Aber es sind doch die Bauwerke, die die Mogulen auch heute immer noch nicht in Vergessenheit geraten lassen. Ihre prachtvollen und erhabenen Gebäude sind für jeden Betrachter beeindruckend. Nach dieser Periode gab es nie wieder eine so hervorragende Kunstepoche mit einem so reinen indischen Hintergrund. Während der britischen Besatzungszeit wurde alles vom westlichen Einfluß geprägt, und obwohl es eine ganze Reihe Malereien aus der Kolonialzeit gibt, spielen sie höchstens insofern eine Rolle, als sie einen geschichtlichen Wert haben.

 

Musik: Die indische Musik unterscheidet sich in so vielen Punkten von der westlichen Musik, daß es dem Laien schwer fällt, sich einzuhören, und man für das richtige Verständnis eine längere Zeit benötigt. Eine grundlegende Schwierigkeit ist, daß die Harmonie, die bei uns eine so wesentliche Rolle spielt, in der indischen Musik wenig Bedeutung haben kann. Indische Musik hat zwei grundlegende Elemente: die Tala und die Raga. Tala ist der Rhythmus und wird durch die Anzahl der Taktteile bestimmt. Teental ist zum Beispiel ein Tala mit 16 Taktteilen. Die Zuhörer lauschen diesen Klängen und klatschen bei bestimmten Taktteilen in die Hände. Bei einem Teental geschieht dies bei den Taktteilen 1, 5 und 13. Bei Taktteil 9 entfällt das Klatschen. Es ist der leere (Khali)Teil  und wird durch ein Winken mit der Hand angezeigt. 

So wie die Tala dem Rhythmus ähnelt, so kommt die Raga der Melodie gleich, und da es verschiedene festgesetzte Talas gibt, werden auch unterschiedliche Ragas vorgegeben. Die klassische indische Musikgruppe setzt sich aus drei Spielern zusammen: dem ordun, der Tala und der Raga. Die Musiker – meist Solisten – unterliegen nicht dem Zwang zur Gemeinschaft, dem die Orchestermitglieder im Westen unterliegen. Harmonie ist nicht gefragt, und jeder sucht sich eine eigene Tala und Raga. So folgt in der indischen Musik jeder Musiker dem selbstgewählten Weg, wie es Tala und Raga vorschreiben, aber jeweils so, wie er es sich ausgesucht hat. Zum Entzücken des Publikums treffen sich hin und wieder alle drei Musiker im gleichen Rhythmus und bei der gleichen Melodie, um kurz darauf sofort wieder in verschiedene musikalische Richtungen zu entfliehen. 

Yehudi Menuhin, der große Künstler, verwendete viel Zeit und Energie darauf, die indische Musik zu verstehen. Am Ende hatte er eine passende Erklärung gefunden: Die indische Musik ist vergleichbar mit der indischen Gesellschaft. Sie besteht aus einer Gruppe von Individuen, die zwar nicht zusammenarbeiten, aber hin und wieder bei bestimmten Gemeinsamkeiten zueinanderfinden. Die westliche Musik ist dagegen wie eine demokratische Gesellschaft, nämlich eine Gruppe von Individuen (das Orchester), die alle einen Teil ihrer Freiheit für das Gemeinwohl und für die Harmonie des Ganzen opfern. Obwohl die klassische indische Musik eine der längsten verfolgbaren Entwicklungen aller Musikformen besitzt, wurde dennoch erst kürzlich damit begonnen, sie in einer schriftlichen Form festzuhalten. Im Rahmen der grundlegenden Elemente wird von den Musikern improvisiert, indem sie Variationen bei Melodie und Rhythmus spielen. 

Die bekanntesten indischen Musikinstrumente sind die Tabla und die Sitar. Letztere ist ein großes Saiteninstrument. Es besteht meist aus 4-7 Metallsaiten. Im Westen wurde die Sitar durch Ravi Shankar popular. Mehr und mehr Menschen aus dem Westen beginnen zu verstehen, daß dieses Instrument mehr ist als nur ein Saiteninstrument, auf dem ein paar verschiedene Töne produziert werden können. Mit der Sitar spielt der Solist die Raga. Weitere Instrumente sind Sarod (ein Zupfinstrument) und Sarangi (wird mit einem Bogen gespielt). Die Tabla, eine Zwillingstrommel, die der westlichen Bongo-Trommel ähnlich ist, gibt den Takt an (Tala). Die Bordun, die auf zwei Grundnoten beruht, wird auf einer Oboe, z. B. Shenai oder Tampura, gespielt. 

 

Der Tanz: Alle indischen Tänze sind zurückzuführen auf die Rolle, die Gott Shiva als Nataraj, dem König des Tanzes, spielte. Shivas erste Frau war Sati. Als Satis Vater, der Shiva gar nicht mochte, Shiva beleidigte, verübte Sati Selbstmord, indem sie sich verbrannte. Der aufgebrachte Shiva tötete daraufhin seinen Schwiegervater und tanzte den Tandava – den Tanz der Zerstörung. Später wurde Sati als Parvati wiedergeboren, heiratete Shiva erneut und tanzte den Lasya. So wurde Sati als Parvati wiedergeboren, heiratete Shiva erneut und tanzte den Lasya. So wurde Tandava die männliche Form des Tanzes und Lasya die weibliche Form. Ganz am Anfang war der Tanz Bestandteil dem Tempelzeremonien. Die Tänzer wurden bekannt als Devadasis. In ihren Tänzer wurden bekannt als Devadasis. In ihren Tänzen erzählten sie die Geschichten aus dem Ramayana oder Mahabharata. 

Die Tempeltänze sind heute völlig abgeschafft, aber die klassischen indischen Tänze basieren alle auf dem religiösen Hintergrund. Er besteht aus folgenden Einzelteilen: Nritta (den rhythmischen Elementen), Nritya (der Kombination von Rhythmus und Ausdruck) und Natya (dem dramatischen Bestandteil). Nritya findet Ausdruck durch Augen Hand und Bewegungen des Gesichts. Diese drei

Dinge bilden zusammen mit dem Rhythmus (Nritta) die Elemente des Tanzes. Um Natya zu verstehen, damit ist hier das Tanzdrama gemeint, wird eine tiefergehende Kenntnis indischer Legenden und der indischen Mythologie vorausgesetzt. 

Der indische Tanz ist in vier Grundformen aufgeteilt: Bharat Natya, Kathakali, Kathak und Manipuri. Der Bharat Natya wiederum ist in drei Untergruppen aufgeteilt. Sie sind die beliebtesten Formen des klassischen Tanzes und erzählen Szenen aus dem Leben Krishnas. Diese Tänze werden ausschließlich von Tänzerinnen ausgeführt. Wie die Abbildungen in den Skulpturen wird alles nur kniend dargestellt, niemals in aufrechter Position. Das Repertoire von Verschiedenen Handbewegungen ist bei diesen Tänzerinnen bewundernswert. Drei Abwandlungen des Bharat Natya sind Orissi, Mohini Attam und Kuchipudi. Diese Bezeichnungen deuten auf den Entstehungsort hin. 

Die Tanzform des Kathakali rangiert an zweiter Stelle. Sie hat ihren Ursprung in Kerala und wird ausschließlich von Männern getanzt. Durch ihn werden die heldenhaften Kämpfe zwischen Göttern und Dämonen erzählt. Er ist so dynamisch und dramatisch, wie der Bharat Natya Ernst und ausdrucksvoll ist. Berühmt sind beim Kathakali auch die farbenfrohen Masken und das reichhaltige Make-up der Tänzer. Augentropfen lassen ihre Augen rot erscheinen. 

Der Tanz Manipuri kommt, wie der Name schon sagt, aus der Region Manipuri im Nordosten. Er ist eher ein Volkstanz, und die Erzählungen werden durch Körper und Armbewegungen ausgedrückt. Die Tänzerinnen tragen Reifröcke und kegelförmige Kappen, beides besonders farbenprächtig. 

Bleibt als letzter klassischer Tanz der Kathak zu erwähnen. Er ist im Norden Indiens beheimatet und war in seinen Anfängen sehr mit dem Bharat Natya verwandt. Jedoch veränderten ihn später persische und moslemische Einflüsse dahingehend, daß aus dem Tanz für Tempelrituale ein Tanz zur Unterhaltung in den Palästen wurde. Die Tänze werden mit ausgestreckten Beinen aufgeführt. Die Glocken, die die Tänzer an den Fußgelenken tragen, müssen unter Kontrolle gehalten werden. Die Kostüme und die Themen sind häufig den Miniaturen aus der Mogul Ära ähnlich. 

Während eines Aufenthaltes in Indien werden Sie häufig Gelegenheit haben, sich diese Tänze anzusehen, und zwar nicht selten sogar in den größten Hotels, wo Besucher ebenso wie die Hotelgäste willkommen sind. 

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