Google Suche   www www.indien-reise.com   

Zentralindien Reisen (Touren durch Zentral-Indien)

Zentralindien
Das Herzland Indiens enthält über ein Drittel der Wälder des Landes sowie tiefe Täler und große Flüsse, die in den Golf von Bengalen im Osten und das Arabische Meer im Westen strömen. Bihar war der Sitz alter Reiche, der Austragungsort legendärer Schlachten und das Land, wo der Jainist Mahavir geboren wurde und Buddha Erleuchtung erlangte. Fruchtbare Ebenen geben Reis, Baumwolle, Zukkerrohr und Jute her; in Hainen wachsen Mangos und Bananen. Es ist ein riesiges, sonnendurchtränktes Land, in dem der große Ganges majestätisch dahinfließt. Die Wälder und der tropische Dschungel sind die Heimat der vordrawidischen Völker, der Mundas, San tals, Hos Bedia, Birhor, No, Khond und der Oraons sowie einer reichen Tierwelt. Es ist auch ein Land der unerschöpflichen Reserven von Kohle, Muskovit, Kupfer, Uran und Mangan. Die Ruinen von Nalandea, der ältesten Universität der Welt, und die ewigen Feuer von Indiens größten Stahlfabriken in Jamshedpur und Bokharo findet man hier. All dies ist Bihar, ein Amalgam aus Alt und Neu. An die flache Gangesebene des nördlichen Bihar grenzen das Bergreich Nepal und die ersten Bastionen des Dekkan-Plateaus im Süden. Dieses Gebiet, Chotta-Nagpur-Plateau genannt, ist meist bewaldet und unzugänglich, die Heimat der Adivasis (Stammesvölker). Anfang dieses Jahrhunderts wurden große Teile dieses Plateaus für die Industrie nutzbar gemacht. Das reichliche Vorhandesein natürlicher Ressourcen hat dazu geführt, daß die Tata-Gruppe eine der größten Eisen- und Stahlfabriken Indiens in Jamashedpur errichtete, die ihre Energie aus der Stromerzeugung des durch Dämme aufgestauten Damodar beziehen.

Die Menschen von Zentralindien
Bihar umfaßt eine Region von 175 0000 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von etwa 70 Millionen Menschen, von denen die Mehrheit hinduistisch ist. Es gibt eine große moslemische Minderheit und auch einige Christen, sowohl Protestanten als auch Katholiken. Etwa ein Drittel der Bevölkerung des südlichen Teils des Bundesstaates besteht aus Adivasis, die immer noch Animisten sind, obwohl viele von ihnen den Hinduismus oder das Christentum angenommen haben. Die Bevölkerung spricht Hindi und verschiedene Bihari-Dialekte sowie Englisch, das an den Schulen allenthalben gelehrt wird.

Geschichte Zentralindiens
Bihar, das einst das Land Buddhas und der buddhistischen Klöster war, bezieht seinen Namen vom Sanskritwort Vihara (Kloster), und davon gab es viele in Nalanda, Vaishali, Bodh Gaya und Raj gir. Der Staat wird bereits im 6. Jahrhundert von historischen Aufzeichnungen erwähnt. Alte Jain-, Pali-,buddhistische und Sanskrit-Texte erwähnen vier Reiche, aus denen Bihar bestand: Videha, Anga, Vaishali und Magadha. Zur Zeit, als Gautama Buddha Erleuchtung unter dem Bo-Baum in Bodh Gaya fand, herrschten die Könige von Magadha, und Ajatashatru, der zweite Thronfolger, gründete Patliputra, die ,,Stadt der Blumen”. 1764 kam Bihar unter die Herrschaft der Briten. Nach Indiens Unabhängigkeit wurde Patna Hauptstadt von Bihar. Sie wurde vom Zusammenfluß des Ganges und des Son geprägt, die aus dem Dekkan herbeiströmen, und hinzu kommen noch die Flüsse Gogra und Gandak aus der fernen Himalajaregion.

Kumrahar & Umgebung
Ausgrabungen der alten Stadt Patliputra bei Kumrahar haben Relikte aus vier aufeinanderfolgenden Perioden von 600 v. Chr. bis zum Jahre 600 zutage gefördert. Das Gebiet hieß einst Pataligram. Der Legende zufolge kam hier Buddha durch und sagte voraus, daß an diesem Ort eine große Stadt entstehen würde, die jedoch von Feuer, Überflutungen und Auseinandersetzungen bedroht sein sollte. Heute gibt es in Kumrahar außer den Überbleibseln von Häusern, Palästen, einem Kloster und den Stümpfen
von 80 Säulen, die früher eine riesige Halle trugen, wenig zu sehen. In der Nähe steht ein Sitlamata, Göttin der Packen, gewidmeter Schrein.

Patna
Das heutige Patna erstreckt sich über eine Fläche von etwa 15 Kilometern am südlichen Ufer des Ganges. Der Fluß, der für den Handel von großer Bedeutung ist, spielt auch im religiösen und gesellschaftlichen Leben der Stadt eine wichtige Rolle. Schaufelraddampfer bringen den Besucher flußauf- und flußabwärts. Patnas ältestes Gebäude ist die Sher Shah Suri Mosque, 1545 erbaut. Sie steht an einer belebten Kreuzung. Ihre massive Kuppel dominiert die Skyline der Stadt – ein herrliches Beispiel afghanischer Architektur. Gleich um die Ecke präsentiert sich der Hanuman-Tempel, der dem gleichnamigen Affengott gewidmet ist. Dieser hat für die Bewohner Patnas eine besondere Bedeutung, denn er ist ihre Schutzgottheit. Im Jahre 1660 wurde Guru Gobind Singh hier geboren, der zehnte Guru der Sikhs, der die Sekte in einen Militärorden umwandelte. Der Har Mandir Takht ist einer der vier heiligen Schreine der Sikhs. Dieses auch Patna Sahib genannte riesige Gurudwara wurde ursprünglich von Maharaja Ranjit Singh aus dem Punjab erbaut und später erweitert. Durch eine niedrige Mauer vom Harmandir Sahib getrennt ist die bezaubernde kleine Moschee Pathar ki Masjid, die von Parwez Shah, dem Sohn des Mogul-Kaisers Jehangir, errichtet wurde. Nach der Einahme Patnas durch die die Briten schufen diese Bankipore am Rande der Altstadt mit seinen geschäftigen Basaren und schmalen Straßen. Bankipore ist heute das Verwaltungszentrum von Patna mit dem High Court, der Raj Bhavan (Residenz des Gouverneurs) sowie Hotels und Einkaufspassagen, die um den Maidan errichtet wurden, eine große offene Fläche, wo Mahatma Gandhi während seiner häufigen Besuche in der Stadt Gebetskreise leitete.

Der Golghar steht gegenüber dem Maidan. Dieses riesige, bienenstockartige Gebäude wurde 1786 von Captain John Garstin als staatliche Kornkammer nach der schrecklichen Dürre von 1770 errichtet. Treppen winden sich um den Bau, und eine Galerie bietet oben herrliche Aussichten auf den Ganges und das umgebende Land. Nicht weit vom Golghar, gegenüber den Gebäuden des Old Secretariat, steht das Martyr’s Memorial, eine moderne Skulptur, die sieben junge Männer darstellt, welche im Kampf um die Unabhängigkeit ihr Leben ließen. Das Patna Museum ist ein bezauberndes altes Gebäude aus rotem Backstein und gelbem Putz. An seinem Eingang steht eine Kanone aus dem Ersten Weltkrieg, die von einem nahen Tor aus dem ersten Jahrhundert umrahmt wird. Das Museum beherbergt eine außerordentlich umfamgreiche Sammlung von Maurya-Figuren, buddhistischen Skulpturen, Terrakotta-Artefakten und Bronzen und sogar ein 2000 Millionen Jahre altes Baumfossil, das älteste der Welt. Das Museum ist nicht so übersichtlich angeordnet, wie man es sich wünschen würde, doch lohnenswert macht einen Besuch bereits die perfekte Didarganj Yakshi, eine graue weibliche Sandsteinfigur aus der Maurya-Epoche, die in der Eingangshalle steht.

Eine stattliche Residenz wurde auf dem Grundstück von Sher Shahs Fort in der Altstadt errichtet, in dem das Jalan Museum mit seiner faszinierenden Sammlung von Jade, chinesischen Malereien, Mogul-Gläsern und Filigranob-jekten untergebracht ist. Da dies jedoch eine Privatsammlung ist, muß man vor der Besichtigung eine Erlaubnis einholen. Die Khuda Baksh Oriental Library stellt eine Sammlung von seltenen arabischen und persischen Manuskripten, Rajput- und Mogul-Gemälden sowie Schriften über die Hindu-Philosophie und einen winzigen Koran aus. Die Bibliothek beherbergt auch eine seltene Sammlung von Büchern aus der spanischen Universität von Cordoba. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten in Patna gehört das Sadaqat Ashram, das Haupt-quartier der Patna National University. Hier fanden die ersten Geheimtreffen statt, die den Kampf um Indiens Unabhängigkeit in Bihar auslösten.

Der Sanjay Gandhi Biological Park ist ein offener Zoo mit einem großen Bastand an Tieren und einem herrlichen botanischen Garten. Das Patna Institute of Handicraft Design in der Patliputra Colony führt altes Handwerk wieder moderner Verwendung zu. Und der Bankipore Club, ein bezaubernder Kolonialbau, bietet eine großartige Aussicht auf den Ganges. Patna ist mit seinen luxuriösen und weniger luxuriösen Hotel eine gute Basis für eine Erkundung des umliegenden Landes.

Die Umgebung von Patna
Um Sonepur am Zusammenfluß des Ganges und des Gandak zu erreichen, kann der Besucher entweder die Fähre über den Ganges nehmen oder die schnellere Straße über die Mahatma Gandhi Bridge, eine der längsten Brükken der Welt. Während des restlichen Jahres über ein winziges Dorf, erwacht Sonepur im November durch den größten Tiermarkt Indiens zum Leben.
Maner, 16 Kilometer entfernt, ist der Ort, an dem der Sufi-Heilige Maneri im 13. Jahrhundert lebte. An wichtigen Festtagen besuchen Ströme moslemischer Pilger das Choti Dargah, das Ehrenmal des Heiligen, sowie das Bari Dargah Tomb, wo dessen Jünger Shah Daulat begraben liegt. Die Straße führt weiter nach Sasaram, 150 Kilometer von Patna entfernt. Diese Stadt weist bedeutende afghanische Architektur auf: Sher Shah’s Mausoleum, das Grabmal seines Vaters, Hassan Sur Khan, und das unvollendete Grabmal seines Sohnes Salim Shah. Die Dörfer des Madhubani-Bezirks liegen sieben Autostunden nordöstlich von Patna. Das Reisen mit Bus oder Auto ist in Bihar ein frustrierendes Erlebnis, da die Straßen eine Zumutung sind. Doch jede Fahrt lohnt den Aufwand. Die Dorfhäuser aus Stroh und Erde von Madhubani sind gänzlich mit bunter Volksmalerei bedeckt. Dieser primitive, aber höchtst dekorative Mithila-Stil wird nun auch zu Papier gebracht, und die großen und kleinen Gemälde und Postkarten sind in Patna und Delhi erhältlich sowie überall in Bihar, wo es einen Kunsthandwerksladen gibt. Am besten kommen die Malereien jedoch auf den großen Dorfwänden zur Geltung: mit natürlichen Farben geschaffene riesige Figuren von Gottheiten sowie zarte Blumen und Bäume. Ein interessanter alter Brauch, der Saurath Sabha, hat sich bei den Maithil-Brahmanen von Madhubani gehalten. Der Sabha ist eine Art Eheanbahnungs-versammlung, die eine Woche lang in baumbeschatteten Höfen stattfindet. Dort halten junge Männer nach Gattinen Ausschau und werden von den Eltern potentieller Bräute interviewt. Wird ein Bräutigam als würdig befunden, überprüft der Panjikkar (Priester) den Stammbaum und vergleicht die Horoskope des Paares, bevor die Verhandlungen ein Ende finden. Etwa ein Jahr später werden die Paare in Massentrauungen vermählt, was allen Betroffenen eine Menge Geld spart. Indische Hoch-zeiten sind teure Angelegenheiten, und dieses 400 Jahre alte System sorgt auch für die Reinhaltung der Rasse. Die antiken Städte des historischen Bezirks von Patna sind verschwunden und haben bezaubernden Dörfern Platz gemacht. Doch hier und da trifft man noch auf historische Spuren. Im Westen liegt Buxar, das Schlachtfeld, auf dem Lord Clive die Mogul-Armeen besiegte und Bengalen sowie Bihar den Besitztümern der East India Company anfügte. Der Tempel von Ram Rekha Ghat am Fluß erinnert an eine alte Legende: Der Held Ram des Ramayana-Epos soll hier seine Fußspuren hinterlassen haben. Nördlich von Patna liegt Chhapra, ein einst florierendes Handelszentrum der Briten und Holländer. Etwas weiter, an den Ufern des Ganges, stehen die Überbleibsel des Mogul-Forts von Monghyr, innerhalb dessen Mauern sich einige schöne Hindu-Tempel befinden. Die Stadt ist für ihren Yoga-Ashram bekannt, der Gäste aufnimmt. Darauf folgt Sultangani mit seiner historischen Moschee, von einem moslemischen Gouverneur von Patnas erbaut, und der Ajgaivinath Temple, der dem Gott Schiwa gewidmet ist und auf einer Insel mitten im Fluß steht. Und Bhagalpur ist heute eine wachsende Stadt, die für ihre Tussar-Seide und den Wischnu gewidmeten Tempel von Mandar in den Hügeln der Außenbezezirke bekannt ist. All diese Orte sind per Straße zugänglich und im Rahmen von Tagesausflügen von Patna aus zu erreichen.

Buddha & Jains
Buddha erlangte das Nirvana im Jahre 483 v. Chr., und Mahavir Jain wurde 468 v. Chr. geboren. Doch sie reisten auf den gleichen Routen, lebten an denselben Orten und besuchten dieselben Reiche. Südlich von Patna wandelt der heutige Reisende auf den Spuren der beiden und kommt durch einstmals berühmte Städte, von denen nun nur noch Ruinen übriggeblieben sind.

Vaishali
Vaishali light 40 Kilometer von Patna und bietet kaum Sehenswürdigkeiten: keine Denkmäler, Paläste oder Malereien. Doch das Land ist schön, die Straße führt durch Dörfer und Mangohaine, hinter jeder Kurve und Biegung verbirgt sich ein weiteres Kapitel der Geschichte und Legende. Und Ausgrabungen, auf die Schilder hinweisen, deuten auf die Vergangenheit hin. Alte Texte lassen vermuten, daß die Ausgrabungsstätte Raja Vishal Ka Garh, ein Wall mit einem Umfang von etwa einem Kilometer, einst ein altes Parlamentshaus war. Vaishali war die Hauptstadt der Vajjan-Konföderation im 6. Jahrhundert v. Chr. die von Ministern unter der Vormundschaft der Licchhavi-Monarchen beherrscht wurde. Vaishali war die erste bekannte demokratische Republik der Welt. in der Nähe des Museums, dessen Artefakte und Fotografien für Archäologen von Interesse sind, befindet sich der baumbeschattete Coronation Tonk, das berühmte Becken, in dem die Licchhavi-Könige vor ihrer Krönung gesalbt wurden. Am Becken steht der einzigartige Bawan Pokhar Temple, der von den Pala-Königen erbaut wurde. In ihm werden die Figuren von 52 Hindu-Gottheiten aufbewahrt, die kollektive Verehrung genießen. Und in etwa drei Kilometer Entfernung, unter einem hüttenähnlichen Bau, ragt der Chaumukhi Mahadeva empor, ein Lingam aus schwarzem Stein, in den dievier Gesichter des Gottes Schiwa gemeißelt worden sind. Der Stein trat zutage, als man ein Reservoir grub. Vaishali war das Zentrum des alten Reiches Mithila, wo sich viele der Ereignisse des Ramayana zutrugen. Hier nahmen Ram und Sita nach 14 Jahren Exil Zuflucht. Ein einfacher Marmorstein, der unlängst mitten auf einem Feld an Mangohainen aufgestellt wurde, markiert die Stelle, wo Vardhamana Mahavir, der Gründer des Jainismus drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt geboren wurde. Er verbrachte die ersten 22 Jahre seines Lebens in Vaishali. Buddha besuchte diesen Ort häufig und teilte seinen Anhängern während seines letzten Aufenthalts mit, daß sie ihn bald nicht mehr sehen würden, da er in das Nirvana einginge. Hundert Jahre danach war Vaishali Veranstaltungsort des Zweiten Buddhistischen Konzils. Im 3. Jahrhundert v. Chr. errichtete der Maurya-Kaiser und Buddhist Ashoka eine seiner berühmten Säulen an der Stelle der letzten Gebetsversammlung, das einzige intakte Überbleibsel eines großen buddhistischen Zentrums. Ausgrabungen haben zwei buddhistische Stupas zutage gefördert, die zur Entdekung von zwei Steinurnen mit der Asche Buddhas führten. Nach seinem Tod in Kushinagar im östlichen Uttar Pradesh wurde die Asche Buddhas auf verschiedene Urnen aufgeteilt und zu diversen buddhistischen Zentren gesandt, um in Stupas im ganzen Lande aufbewahrt zu werden. Die Stadt ist auch synonym mit Amrapali, der schönen Tänzerin und Kurtisane, die den Hof verließ, sich Buddha anschloß und dem ersten Orden buddhistischer Nonnen gehörte.

Nalanda
Das im 5. Jahrhundert v. Chr. gegründete Nalanda war der Ort der ältesten Universität der Welt, die während des Maurya- und Gupta-Reiches florierte und zu deren Studenten Prinzen und Gelehrte aus Japan, China, Sumatra, Java und Korea gehörten. Alte jainistische und buddhistische Texte zeugen davon, daß sowohl Mahavir als auch Buddha hier einige Zeit verbrachten. Zu den großen Meistern, die hier lehrten, zählten Nagarjuna, ein früher Mahayana-Philosoph, Dinnaga, der die Schule der Logik gründete, und der berühmte Dharmapala, ein Brahmanen-Gelehrter. Es wird auch eine Bibliothek erwähnt, die einst etwa neun Millionen Bände beherbergte.

Heute sind von Nalanda nur noch Ruinen übrig; die Universität wurde 1199 beim Angriff des afghanischen Eindringlings Bakhtiar Khilji durch ein Feuer zerstört. Und doch braucht es wenig Vorstellungsvermögen, um hier das ferne Echo gelehrter Konversation zu hören. Die Ausgrabungen haben sechs Chaityas (Tempel) und elf Viharas (Klöster) sowie Kilometer von Zellen aus rotem Backstein ans Tageslicht gebracht. Der Sariputra Stupa wurde von Kaiser Ashoka zum Gedenken an Buddhas ersten Jünger Ananda errichtet und ist teilweise mit Stuckfiguen bedeckt, die Buddha in verschiedenen Situationen zeigen: seine Erleuchtung in Bodh Gaya, in Vaishali meditierend und in Sarnath lehrend. Im unlängst ausgegrabenen Sarai Mound fand man Gemälde von Pferden und Elefanten und Spuren alter Wandmalereien. Die einstige Größe Nalandas reflektiert das Nalanda Archaeological Museum. Hier regen herrliche Statuen der Maurya-, Gupta- und Pala- Perioden, zahlreiche Buddhafiguren, eine kleine, aber schöne Sammlung alter Bronzen und eine Bibliothek mit alten Manuskripten die Vorstellungskraft an. Das International Centre for Buddhist Studies und das Nava Nalanda Mahavihar beherbergen viele seltene buddhistische und jainistische Schriften und fungieren als Institution für die Lehre und Erforschung der Pali-Literatur. Es gibt auch einen chinesischen Tempel, der zu Ehren von Hieun Tsang, einem chinesischen Chronisten, erbaut wurde, und den Wat Thai Nalanda, einen kleinen Thai-Tempel, den Buddhisten aus Thailand errichteten. Eine dem Nava Nalanda Mahavihar angeschlossene Jugendherberge bietet einfache Unterkunft und ermöglicht den Besuch des Sonnen-tempels Swarajpur Baragon, der an den Ufern eines großen Sees steht, wo im Oktobar/November und April/Mai Chhat Puja (Sonnenanbetung) mit einem großen Jahrmarkt gefeiert wird.
Bihar Sharif, 13 Kilometer entfernt,war einst die Hauptstadt der moslemischen Herrscher von Bihar und ein Zentrum islamischer Kultur vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Pawapuri liegt nur 24 Kilometer von Nalanda entfernt; dieses Dorf ist den Jainisten heilig, da dort ihr Glaubensbegründer Vardhamana Mahavira das Nirvana erlangte. Der Jalmandir, ein Tempel aus weißem Marmor, steht an der Stelle, wo er kremiert wurde: inmitten eines Lotusteichs. Fünf andere Jain-Tempel befinden sich am Ufer. Alljährlich zu Diwali (dem Fest der Lichter) im Oktober/November strömen Jain-Pilger hierher, um Mahavir zu ehren, der 14 Jahre in Rajgir, zwölf Kilometer südlich von Nalanda, verbrachte. Dort zog er die ersten Jünger an.
Buddha lebte, meditierte und predigte auch auf dem Hill of the Vultures, dem Gridhakuta Hill von Rajgir. Heute thront auf dessen Gipfel ein moderner Tempel, Vishwa Shanti Stupa, der von der Japanese Buddhist Society erbaut wurde. Ein Sessellift bringt Besucher dorthin. Eine 50 Kilometer lange, mit Wachtürmen versehene Mauer schützt die Hügel, welche die Stadt umgeben. Doch wenig ist von dieser alten Hauptstadt des Magadha-Reiches übrig-geblieben, das von König Bimbisara und seinem Sohn Ajatashatru im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurde.

Durch Schilder ausgewiesene archäologische Stätten sind reichlich vorhanden; beispielsweise lassen sich die Fundamente von Ajatashatru’s Fort erkunden. Er sperrte seinen Vater, König Bimbisara, in ein kleines Gefängnishaus, von dem nur noch spärliche Reste vorhanden sind. Bimbisara hatte diesen Platz sogar für die letzten Jahre seines Lebens vorgesehen, denn von dort aus konnte er den Gipfel des Gridhakuta sehen, wo Buddha jeden Morgen zu meditieren pflegte. Eine weitere archäologische Stätte ist Jivaka’s Mango Grove, einst eine Art Apotheke, an der Buddha morgens und abends hielt, um eine Frucht oder eine Gabe in Empfang zu nehmen. Etwas weiter befindet sich der Karanda Tank, wo Buddha badete. Ein ausgegrabenes Kloster ist als Venuvan Vihara identifiziert worden, von König Bimbisara als Residenz für Buddha und seine tausend Jünger errichtet. Es heißt auch, daß Buddha, der an Arthritis litt, Rajgir wegen der heilenden Kräfte seiner heißen Quellen aufsuchte. Die von Gläubigen als heilig angesehenen Saptdhara oder sieben heißen Quellen sind in ganz Indien berühmt. Hindu- und Jain-Tempel umgeben sie.

Rajgir ist auch reich an Legenden. Die Stadt, so heißt es, war einst das Reich Jarasandha. Es existierte ein Mann, der von zwei Frauen geboren wurde und nur getötet werden konnte, indem man ihn auseinanderriß. Diese Tat vermochte nur Bhima, der stärkste der Pandava-Brüder, zu vollbringen. Die Geschichte wird im Mahabharata erzählt, und mit dem Epos haben auch zwei parallele tiefe Furchen in einem Fels zu tun, der Chariot Route genannt wird. Sie sollen entstanden sein, als Krischna mit seiner Kutsche davonfuhr. Die Ausgrabungen haben verschiedene Schreine und Klöster aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. zutage gefördert und als Maniyar Math identifiziert. Ein zylindrischer Ziegelbau könnte der im Mahabharata erwähnte Maninga Temple sein.

Rajasthan und Nordindien Reise, Delhi - Shekhawati - Bikaner - Osian - Jaisalmer - Jodhpur - Ranakpur - Udaipur - Pushkar - Jaipur - Fatehpur Sikri - Agra - Khajuraho - Varanasi, 19 Tage
* Das Goldene Dreieck
* Farbenfrohes Rajasthan
* Die Höhepunkte Nordindiens
* Erlebnisreiches Ostindien
* Südindien zum Kennenlernen
* Nepal zum Kennenlernen
  Mehr.....

* Ayurveda Kur
* Frauen Reise
* Baden und Entspannen
* Königliche Hochzeitsreise
  Mehr.....

* Hotels
* Chauffeur-Dienst
* Übersetzungen
* Shopping
* Reiseschutz

* Über Indien
* Über Nepal
* Wissenswetes
* Geld Verdienen
* Links
* Site Map
* AGB

* Palast auf Rädern
* Royal Orient

 Reisen & Touren durch Zentralindien

45 Tage Reise ins Wildnis Indiens (Wilde Schönheit der Dschungels)
Delhi - Jim Corbett - Rajaji National Park - Delhi - Sariska/Alwar - Ranthambore - Bharatpur - Agra - Khajuraho - Panna National Park - Bandhavgarh national park - Kanha National Park - Nagpur - Ahmedabad - Bhavnagar - Velavadar Nationalpark - Sasan Gir - Bangalore - Nagarhole National Park - Bandipur National Park - Indira Gandhi National Park - Periyar National Park – Cochin - Kolkata - Sunderbans - Kolkatta - Kaziranga National Park - Orang National Park - Manas National Park - Guwahati - Delhi)

29 Tage in Madhya Pradesh (Zentralindien) & Gujarat (Westindien)
(Delhi – Jaipur - Agra – Gwalior – Orchha – Khajuraho – Bandhavgarh – Bhopal - Sanchi - Mandu -- Indore – Vadodara - Ahmedabad - Bhavnagar - Sasan Gir National Park - Diu - Mumbai)

26 Tage quer durch Indien - von West nach Ost (Mumbai bis Kolkatta)
(Bombay - Nasik - Kopargaon - Aurangabad - Ellora - Ajanta - Mandu - Dhar - Omkareshwar - Maheshwar - Ujjain -
Bhopal - Sanchi - Udaigiri - Bhimteka - Jhansi - Orchha - Khajuraho - Varanasi - Sarnath - Calcutta - Bardhaman - Shantiniketan - Kolkata)

24 Tage durch Zentralindien (Madhya Pradesh)
(Delhi - Indore - Omkareshwar - Maheshwar - Mandu - Dhar - Ujjain - Bhopal - Udaigiri - Sanchi - Bhimbetka - Satpura - Pench Nationalpark - Kanha Nationalpark - Bandhavgarh-Nationalpark - Khajuraho - Orchha - Gwalior - Agra - Delhi)

 

Madhya Pradesh
Das Herz Indiens, wo Hunderte von Zivilisationen existierten, das Land der Könige und der primitiven Völker, der sublimen Architektur und der rauhen Berge, des Mythos und der Romantik, verkörpert Madhya Pradesh, das einst aus den sogenannten Zentralprovinzen bestand. Mit seinen 443 452 Quadratkilometern ist es der größte Bundesstaat der indischen Union, mit etwa 70 Millionen Einwohnern jedoch nicht der Bevölkerungsreichste. Bhopal ist die Hauptstadt. Madhya Pradesh ist ein riesiges, von den Vindhya-und Satpura-Bergen umgebenes Plateau; die Berge steigen von 600 auf 1300 Meter an und fallen dann in die Täler der Flüsse Narmada und Tapti ab. Das östliche Plateau hat wenig Landwirtschaft, ist dafür aber dicht bewaldet. Im Nordosten liegt die Talsenke Chattisgarh, die mitunter kaum 300 Meter erreicht. Doch die Malwa-Region im Westen ist reich an Baumwolle und Weizen; erstere hat die Städte Ujjain, Gwalior und Indore berühmt gemacht. In diesem Bundesstaat gibt es auch große Vorkommen an Teak-,Rosenholz sowie Ebenholz-und Saalwälder, die Tiger, Bisons, Hirsche und Panther durchstreifen; die Tierwelt steht in den Reservaten Kanha und Bandhavgarh unter Schutz. Die Täler Narmada und Tapti haben lange Zeit als Verbindung zwischen Ost-und Westindien gedient. Die alten Handelsrouten wurden einst von malerischen Karawanen durchzogen, die den legendären Reichtum Indiens in ferne Länder trugen: Gewürze, Baumwolle, Teakholz und Silber. Durch die Täler ist auch der große Kaiser Ashoka gekommen, und Spuren des Glanzes der Gupta-Ära sind etwa die Wandmalereien von Bagh sowie die zahlreichen Tempel und Denkmäler. Die großen Flüsse waren auch Zeugen indischer Geschichte; von den eindringenden Mogul-Armeen bis zu Verlegung der Schienen, die Bombay mit Kalkutta verbinden. Madhya Pradesh wurde in Aufzeichnungen bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. erwähnt, als Kaiser Ashoka Sanchi zum Standort der Great Stupa auserkor. Die buddhistische Sunga-Dynastie herrschte hier vom 2. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr.

Während jener Periode kam es in Madhya Pradesh zur Blüte der ersten Schule buddhistischer Skulptur. Kriege wurden ausgetragen, Schlachten gewonnen und verloren. Auf die Sungas folgten die Kshatrapas, die wiederum den vom Jahre 300 bis 510 herrschenden Guptas Platz machten, und Madhya Pradesh wurde durch eine weitere Renaissance hinduistischer Kunst und Kultur bereichert. Die Guptas haben ein unglaubliches Vermächtnis von Tempeln, Wandgemälden und Skulpturen hinterlassen. König folgte auf König, Moslems auf Hindus, und jeder Hof prägte das Land mit Tempeln und Moscheen, mit den Schätzen von Khajuraho und Madhu, Gwalior und Ujjain.

Die Bevölkerung Madhya Pradesh
Die Einwohner von Madhya Pradesh sind so unterschiedlich wie ihr Land. Die Gesichter verändern sich so häufig wie die Landschaft, und alle 50 Kilometer findet man sich in einer anderen Welt wieder. Im Gwalior-Gebiet leben große Männer mit Schnurrbärten, die an die Söldner erinnern, welche im benachbarten Rajasthan epische Schlachten austrugen, und anmutige, stolze Frauen, von denen die verheirateten am Bindi, (dem roten Punkt auf der Stirn) und an grünen Glasreifen zu erkennen sind. Die heilige Stadt Ujjain zeigt das sanfte, poetische Antlitz Indiens, und Indore ist ein Potpourri aus Parsen, Moslems, Hindus, Christen und Jainisten – eine kosmopolitische Gesellschaft, die sowohl Hindi als auch Bundelkhandi, den hiesigen Dialekt, spricht. Madhya Pradesh wurde einst Gondwanaland genannt und von den Raj oder Gonden beherrscht, deren Nachfahren die tropischen Dschungel südlich von Jabalpur bewohnen. Von mehreren Wellen von Invasoren, wie den Ariern, bezwungen, zogen sich die Gonden in unzugängliche Bergketten zurück. Gondwanaland existiert nicht mehr, doch sogar heute noch werden die Gonden von den Eingeborenen Maydha Pradeshs sehr geschätzt. In den Wäldern und Bergen versteckt leben die Oraons des Nordostens, die Bhils und Baigas des Westens und die Maria und Muria aus Bastar im Osten. Madhya Pradesh beheimatet fast 40 Prozent von Indiens Adivasis (Stämmen). Ihre Angehörigen sind klein, dunkelhäutig, tragen Kopfschmuck, Perlen, Silber und Muscheln, sie sprechen nur mündlich überlieferte Sprachen und sind Animisten, die traditionell die Elemente verehren. Jene Adivasis, die engeren Kontakt mit den Bewohnern der Ebene pflegen, haben Hindu-Bräuche angenommen, und die Oraons sind fast alle Christen. Diese Völker bewahren jedoch ihre Identität und Bräuche. Dies ist auch größtenteils der indischen Regierung zu verdanken, deren schützende Haltung die Ausnutzung dieser einfachen Menschen verhindert hat. Die Nationalsprache Hindi wird überall im Bundesstaat beherrscht, doch wenn der Bewohner Madhya Pradeshs nicht verstanden werden will, bedient er sich der Dialekte seines Gebiets: Malwi im Norden, Bundelkhandi in der Narmada-Gefend, Bhojpuri in Bhopal und Chattisgarhi im Nordosten. Hinzu kommen die verschiedenen Stammesdialekte. Doch selbstverständlich wird auch Englisch gesprochen.

Kunsthandwerk Zentralindiens
Jede Stadt des Bundesstaates hat eine alte und doch lebendige Tradition des Kunsthandwerks, das schön anzuschauen, nützlich und für jeden Geldbeutel maßgeschneidert ist. Von Hand gesponnene und gewobene Baumwollsaris, so leicht wie Luft und mit Stickereien versehen, werden in Chanderi gefertigt. Die Weberinnen von Maheshwar nach Indore haben sich auf feine, wie Seide anfühlende Baumwolle spezialisiert. Das Muster der Bordüren der goldenen und silbernen Seidensaris hat eine spezielle Bedeutung. Bhopal ist das Zentrum des Filigransilberschmucks, des Leders mit Einlagen, der Perlenhandtaschen und der reich bestickten Slipper, und Bherugarh in der Nähe von Ujjain ist für seine Handdrucke auf roher Baumwolle bekannt. Die Muster, etwa Blumen, Pfaue, Papageien und geometrische Formen, werden in Holzblöcke gemeißelt. Der traditionellere Textildruck verwendet immer noch Naturfarben aus Pflanzen, Erde und Baumrinde. Jabalpur ist für Lackarbeiten, handgearbeitete Messingtische, Specksteinstatuen der Götter der Mythologie und dekorative Töpfe und Pfannen berühmt. Gwalior, Vidisha und Sarguja verfügen über Teppichwebereien, die aus Indiens vorindustrieller Vergangenheit stammen, und die Handwebstühle von Mandasur stellen Decken her, die zu schön sind, um als solche verwendet zu werden. Im Bezirk Bastar im Osten spinnen die Frauen von Jagdalpur Tussar (Rohseide) für Saris und Hemden, und in den ruhigen Dörfern dieses hauptsächlich von Stämmen bewohnten Gebietes fertigen Männer, Kinder und Frauen der Lohar-Gemeinschaft Statuen von Stammesgottheiten. Spielzeug und Figurinen werden aus Golckenmetall unter Verwendung der alten Technik des Cire perdu gesuchmiedet. Holzschnitzereien, bunt bemaltes Spielzeug, Tontöpfe, Specksteintiere, Textilien und Metallarbeiten erinnern an eine Zeit, als das Leben einfacher und gelassener war.

Bhopal
Im Zentrum von Madhya Pradesh und des Malwa-Plateaus (des nördlichen Walls des Dekkan-Plateaus) befindet sich Bhopal, die Hauptstadt des Bundesstaates. Der Überlieferung zufolge wurde Bhopal von Raja Bhoj im 10. Jahrhundert gegründet. Der Name leitet sich aus den ersten drei Buchstaben des Namens des Königs ab, und ,,pal“ bedeutet ,,See“. Raja Bhoj soll einen Damm am Narmada südlich der Stadt errichtet haben, wodurch sich einst ein enormer See von 600 Quadratkilometer Fläche bildete. Wenig ist von der Stadt des großen Königs übergeblieben, nicht mehr als Ruinen vom Bhojpur Temple, und der Damm wurde von Sultan Hoshang Shah aus Malwa zerstört, der im 15. Jahrhundert in Bhopal einfiel. Aus Raja Bhojs See sind drei kleinere Seen geworden, die heute das Zentrum der Metropole bilden. Doch Bhojpuri, die Sprache Bhopals, ist noch nicht ausgestorben. Raja Bhojs Stadt wurde von Dost Mohammad Khan übernommen, einem General Kaiser Aurangzebs. Als der Kaiser 1707 starb, verließ der General das schwankende Mogul-Reich und gründete seine eigene Dynastie – jene der Nawabs von Bhopal, die bis heute besteht. Bhopal setzt sich eigentlich aus zwei Städten zusammen, die um sieben Hügel und drei Seen errichtet wurden.

Die neue Hauptstadt ist eine schön gestaltete Metropole mit breiten Alleen, Parks, Regierungsgebäuden und Wohngegenden, die funktional, praktisch und ästhetisch sind. Bharat Bhavan, die Hauptstadt der Verwaltung und des Handels, rühmt sich eines der größten Kunst und Kulturzentren des Landes. Dieser Komplex, teilweise auf Land und teilweise auf einem der Stadtseen errichtet, repräsentiert das Beste moderner indischer Architektur. Hier findet immer etwas statt: ein neues Stück auf Bhojpuri oder Hindi, der Theaterworkshop eines Gastregisseurs, Poesielesungen, Musikdarbietungen, ein Tanzfestival oder die Ausstellung eines jungen Malers. Bharat Bhavan verfügt auch über eine permanente Kunstsammlung, eine Bibliothek und ein Museum. Letzteres beherbergt eine umfangreiche Kollektion von Stammeskunst und Artefakten, welche die vielen einheimischen Gemeinschaften repräsentieren. In der Altstadt ruft der Muezzin von drei Minaretten, die über alten Palästen und Höfen thronen, zum Gebet.

Der Sardar-Manzil-Palast, die Residenz der Nawabs, lohnt einen Besuch,obwohl sie ihrer herrschaftlichen Ausstattung beraubt wurde. Und durch die schmalen Strßen des alten Bhopal zu wandern heißt, einen persönlichen Entdeckungsspaziergang zu machen: Man sieht schön dekorierte Fassaden, bezaubernde Patios und einen von Indiens farbenprächtigsten Basaren, wo neben der üblichen Betriebsamkeit Wandersänger vom Glanz des Hofes Bhopals erzählen (auch tanzend). Nicht auslassen sollte man die ruhigen Seitensträßchen, um Handwerkern bei der Arbeit zuzuschauen. Holzschnitzereien, Messingwaren, bedruckte Textilien. Silber- und Messingfiligrangeldbeutel: Viele dieser Objekte sich im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert. Wichtige Stationen der Altstadt sind drei großartige Moscheen: Tajul Masjid, welche die größte Moschee der Welt werden sollte, bleibt unvollendet, aber eindrucksvoll mit ihrer riesigen Gebetshalle und dem bogenförmigen Dach; die Jama Masjid, 1837 von Qudsia Begum erbaut, der frommen Frau des Herrschers von Bhopal, hat hohe, dunkle Minarette, die von goldenen Türmen gekrönt werden, und die Moti Masjid oder Pearl Mosque (Perlenmoschee), 1860 errichtet; ihre Gestaltung nahm Anleihen bei der Jama Masjid von Delhi. Und am kühlen Abend versammeln sich Besucher und Einwohner gleichermaßen auf dem Gipfel des Shamala-Hügels, um zu beobachten, wie die Sonne in Bhopals großen Seen versinkt und die Lichter der Stadt in der Entfernung glitzern. Bhopal ist leicht per Straße, Schiene und durch Luftverbindungen von Bombay und Delhi aus zu erreichen und bietet alle Arten der Unterkunft. Die beste Zeit für einen Besuch ist zwischen September und März. Während der Regenzeit (Juli bis August) oder in der Hitze eines indischen Sommers (März bis Juni) ist es unmöglich, durch die Höhlen von Bhimbethka, 30 Kilometer von Bhopal entfernt, zu laufen. Die etwa 500 Höhlen, die mit zahlreichen Felsmalereien aus der neolithischen, späten paleolithischen und frühen mittelalterlichen Periode versehen sind, sind erst unlängst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Die Höhlen lohnen einen Besuch, nicht nur wegen der Malereien, sondern ebenso aufgrund der wilden und gigantischen Felsformationen. Es gibt auch andere Höhlen und Grotten um Bhopal. In etwa 60 Kilometer Entfernung und nahe Sanchi liegen die Höhlentempel von Udayagiri, die während der Gupta-Periode aus dem Fels gehauen wurden. Die Höhlen Nr.1 und 20 sind jainistisch, die anderen hinduistisch. Die außergewöhnlichste ist Nr. 5 mit ihrer kolossalen Statue Wischnus in der Inkarnation als Wilschwein Varaha, das die Erdgöttin Prithvi aus den Fängen der Wasserdämonen befreit.

Sanchi
Etwa 45 Kilometer nördlich von Bhopal liegt Sanchi, Stätte des schönsten und am besten erhaltenen Beispiels buddhistischer Architektur. Hier kam Kaiser  Ashoka vor über 2000 Jahren an, des Krieges müde und gerade zum Buddhismus bekehrt. An dieser Stelle legte er auch den Grundstein für die Great Stupa, die Relikte Buddhas aufnehmen sollte. Sanchi spielte während Ashokas Herrschaft eine wichtige Rolle. Des Kaisers Kinder Mahinda und Sanghamita wurden hier geboren. Und an dieser heiligen Stätte nahmen auch die wichtigsten Missionen, die den Buddhismus in die Welt trugen, ihren Ausgang: Mahinda verließ das Land seiner Geburt, um die Worte des Erleuchteten in Sri Lanka zu verbreiten, und einige Jahre spätersandte Ashoka seine Tochter nach Norden, damit sie die Lehre in Nepal und Tibet verkünde. Der massive, kuppelförmige Stupa, auf einer Anhöhe errichtet, ist kilometerweit sichtbar. Er wird von einer Karmiha (quadratischen Konstruktion) gekrönt und ist von einer Balustrade oder Vedika aus Stein umgeben, einem exakten Nachbau des Originals aus Holz. Das Innere wird von den Gläubigen dazu benutzt, rituelle Kreise und das Rad des Gesetzes zu drehen, wobei sie leise ,,Om Name Padme Hum“ singen.

Vier herrliche Torans (Tore), an vier wichtigen Stellen plaziert, führen zum Hauptteil des Stupa. Diese mit exquisiten Schnitzereien versehenen Tore sind eine illustrierte Enzyklopädie des alten Indien. Menschen, Landschaften, Architektur, häusliche und wirtschaftliche Aktivitäten sowie Kinder und Tiere wurden aus Elfenbein gemeißelt. Die Geschichten des Jataka können auf den Toren wie ein Comicbuch gelesen werden – doch von rechts nach links. Es ist eine Sammlung von Geschichten über Buddhas frühere Inkarnationen. Darstellungen seiner letzten Existenz fehlen jedoch, da Abbildungen Gautamas eine Zeitlang verboten waren. Doch es gibt symbolische Szenen seiner letzten Inkarnation: Lotusblumen oder zwei Elefanten, die Wasser über eine weibliche Figur ergießen, stellen etwa seine Geburt in Lumbini dar; die Erleuchtung wird durch einen Baum dargestellt, der einen leeren Thron beschattet; die erste Predigt, im Hirschpark von Sarnath gehalten, wird durch das Rad des Gesetzes symbolisiert. Andere Themen fanden jedoch auch auf den Torans von Sanchi Berücksichtigung: anmutige Baumnymphen, Elefanten und Pferde, fette, lachende Zwerge, Löwen mit Flügeln, exotische Flora und männliche Figuren, welche die Eingangsportale bewachen. Es stehen verschiedene kleinere Stupas und Tempel im Park von Sanchi.

Nr. 3 ist berühmt für die Relikte von Buddhas Jüngern Sariputra and Mahamogalana. Nr. 17 und 18 haben schön verzierte Säulen, und etwas weiter befindet sich eine Gruppe von Klöstern mit einer Statue des Buddha im Post-Gupta-Stil. Eine von Ashokas berühmten Säulen von Sanchi trägt einen Erlaß, der jene verdammt, welche der Teilung des Buddhismus in zwei gänzlich verschiedene Sekten das Wart redeten. Was nicht mehr im Park selbst steht, wird im Sanchi Museum ausgestellt.

Sanchi ist der Ort erhabener Festivitäten im Oktober, wenn Buddha Jayanti begangen wird, der Geburtstag Buddhas. Buddhisten aus Indien und dem ganzen Ostens versammeln sich in dieser kleinen Stadt und setzen eine Tradition fort, die im 3. Jahrhundert v. Chr. begründet wurde. Die Stupas und Tore von Sanchi fotografiert man am besten früh am Morgen, weshalb eine Übernachtung anzuraten ist.
Eine Übernachtung erleichtert zudem den Besuch des zehn Kilometer entfernten Dorfes Bhilsa, das auf einem Teil des alten Vidisha steht, einer während der Herrschaft Ashokas florierenden Stadt.

Hindus pilgern jährlich hierher, um an der Khamb Baba des nahen Besnagar zu beten, einer monolithischen, Wischnu gewidmeten Säule. Sie wurde im Jahre 90 v. Chr. von Heliodorus errichtet, dem griechischen Botschafter von Taxila, der sich zum Hinduismus bekehren ließ. Das Museum von Vidisha beherbergt eine herrliche Sammlung von Antiquitäten aus dem 2. bis 1. Jahrhundert v. Chr., der Ära der Kshatrapas. In Vidisha findet man auch Überbleibsel aus der moslemischen Periode des 15. Jahrhunderts, und die Bijamandal Masjid sowie das Fort sind ein Beispiel des kulturellen Amalgams von Madhya Pradesh. Die Ruinen des Tempels von Gyaraspur nördlich von Sanchi liegen etwas abseits. Der Neelkhanhteshwar Temple von Udayapur (12. Jahrhundert) befindet sich in einem besseren Zusatand. Er ist Schiwa gewidmet und hat eine herrliche skulpturierte Fassade mit Säulen. In der Nähe steht die Moschee von Sher Khan aus dem 15. Jahrhundert.

Indore, Ujjain & Mandu
Indore, die Hauptstadt der Malwa-Region, ist eine geschäftige Industriestadt, die mit allen Problemen schneller, planloser Entwicklung, mit Umweltverschmutzung sowie Wasser- und Elektrizitätsknappheit konfrontiert wird.

Indore war einst eine schöne Stadt mit breiten Alleen, geräumigen Häusern im Kolonialstil, Palästen und einer der besten medizinischen Universitäten Indiens, ist jedoch heute hoffnungslos übervölkert. Ein paar Oasen der Ruhe existieren noch. Der Kanch Mandir, der ,,Tempel der Spiegel“, ist ein jainistisches Heiligtum, das vom großen Philanthropen Seth Hukumchand errichtet wurde. Die Wände, die Decke und sogar die Böden des Tempels bestehen aus einem Mosaik von Spiegeln. Wandmalereien stellen das Leben von Mahavir Jain, dem Gründer der Sekte, dar und riesige Spiegel reflektieren bis in die Unendlichkeit die goldenen Statuen der Tirthankars, jener Jain Weisen, die vor Mahavir in die Ewigkeit gelangten. Indore-Glas ist berühmt. Der alte Marktplatz im Herzen der Stadt ist überfüllt, schmutzig, laut, aber sehr malerisch und verfügt über einige überdachte Durchgänge mit Läden, welche die schönsten Glasreifen, Glasperlenketten und Ohrringe aus Glas verkaufen.

Chattri Bagh ist ein Park mit schirmförmigen Denkmälern, den Kenotaphen der Holkar-Dynastie, die von Malhar Rao Holkar bergründet wurde, der Indore im 18. Jahrhundert zu seiner Hauptstadt machte. Indore war eine bedeutende Metropole während der langen Herrschaft seiner Schwiegertochter Rani Ahilya Bai, einer der außergewöhnlichsten Frauen der indischen Geschichte. König Malhar Rao soll von seinem Sohn schwer enttäuscht worden sein, fand aber in Ahilya Bai die perfekte Erbin für den Thron der Holkars. Sie war erst zwölf Jahre alt, als sie als Braut nach Indore gebracht wurde. Die fromme junge Frau hatte einen scharfen Verstand, der dem König gefiel, und so bereitete er sie auf die Übernahme des Throns vor. Ahilya Bai war noch fast ein Teenager, als sowohl ihr Schwiergervater als auch ihr Gatte im Krieg fielen. Im traditionellen Weiß der Witwen herrschte sie mit eiserner Hand und gewann allmählich den Respekt und die Loyalität der Minister und des Volkes, die sie nie sahen. Mit der Hilfe ihrer weiblichen Bediensteten leitete sie die Staatsgeschäfte hinter einem Vorhang. Frauen lebten zu dieser Zeit in Purdah und in den Zenana (Frauenquartieren). Ahilya Bai führte landwirtschaftliche Reformen ein, ersann ein Besteuerungssystem, das der Bauernschaft und dem Staat dienlich war, bereiste das Land, um persönlich für Gerechtigkeit zu sorgen und die Armee sowie Gouverneure entlegener Bezirke zu kontrollieren. Die clevere Politikerin Ahilya Bai war zusammen mit Madhav Rao Scindia von Gwalior und Nana Fadnavis von Pune eine wichtige Kraft der Maratha-Konföderation, welche die indische Unabhängigkeit verteidigte und die Briten im späten 18. Jahrhundert in Schach hielt. Als fromme Hinduistin zeichnete Ahilya Bai für die Restaurierung vieler alter Pilgerstätten und den Bau neuer Tempel in den Holkar-Territorien verantwortlich. Sie hinterließ ein Vermächtnis von Treuhandschaften, die auch heute noch die Erhaltung der Tempel Madhya Pradeshs finanzieren. Zu den wichtigeren Orten, an denen sie große staatliche Bauvorhaben durchführen ließ, gehören Omkareshwar, Maheshwar und Ujjain. Tausende von Pilgern strömen zweimal jährlich zum alten Tempel Mandhata auf Omkareshwar (manchmal Omkarji genannt), einer malerischen Insel im Narmada-Fluß. Der Tempel ist Schiwa geweiht und beherbergt eine der zwölf Jyotir Lingams, (Schiwa-Ikonen), die wie durch ein Wunder aus der Erde hervorgetreten sein sollen. Der Fortschritt ignoriert leider heilige Traditionen, und Omkareshwar wird wahrscheinlich dem großen Narmada-Sagar-Damm weichen müssen. Doch Ökologen, heilige Männer und Aktivisten haben (nach dem Vorbild Mahatma Gandhis) die Gefühle der Massen aufgerührt und kampieren immer wieder aus Protest am Fluß. Die gewaltlose Satyagraha des Protestes mag die Regierung daran hindern, die Tempelstädte am Narmada zu zerstören und mit ihnen mehrere tausend Hektar Waldland, der Lebensraum vom Stammesgemeinschaften und zahllosen wilden Tieren und Vögeln.

Die Tempelstadt Maheshwar, zwei Autostunden von Indore entfernt, war Ahilya Bais spezielles Refugium. Sie ließ einige Kilometer des Narmada-Ufers befestigen und Pavillons errichten, wo die Gläubigen Schutz vor der Sonne fanden und in denen sich zudem viele Dharamshalas (Herbergen) etablierten, die Pilger aufnahmen. Ein reich ornamentiertes Tor führt zum Tempel der Königin, dessen Hof mit schönen, wenn auch strengen Statuen ausgestattet ist. Hoch auf dem Hügel, mit Blick auf den Fluß und das Land, thront Ahilya Bais Festungspalast, der teilweise der Öffentlichkeit zugänglich ist. In Maheshwar ließ sie die Weberei, eine der bedeutendsten Heimindustrien Madhya Pradeshs etablieren. Die Baumwolle ist eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen des Bundesstaates, der Ertrag der fruchtbaren schwarzen Erde der Malwa-Region. Die Stadt war früher für feinste handgesponnene und gewebte Saris mit Gold-, Silber- und Seidenbordüren bekannt, welche die 1795 verstorbene Königin selbst entworfen haben soll. Die Weber pflegten ihr Handwerk auch ohne die königliche Schirmherrschaft und kämpften gegen das Aufkommen billigerer Materialien, die von den Textilmühlen zu Beginn des Jahrhunderts hergestellt wurden. Sie arbeiteten schließlich in Fabriken und vergeudeten ihre Fertigkeiten an Maschinen. Der Maheshwari-Sari ist fast ganz verschwunden. Vor einigen Jahren wurde die Kunst des Maheshwar von der amerikanischen Frau des gegenwärtigen Throninhabers von Indore wiederbelebt. Die heutigen Holkars besitzen immer noch den von Ahilya Bai erbauten Festungspalast, und die von Frauen betätigten Handwebstühle sind wieder in Betrieb; sie stellen jene Saris her, die einst von den Hofdamen des 18. Jahrhunderts getragen wurden.

Ujjain
Rani Ahilya Bai restaurierte verschiedene Tempel und die Ghats (Stufen, die zum heiligen Fluß Sipra führen) in der alten Tempelstadt Ujjain, nördlich von Indore. Im Tempel von Mahakateshwar wird eine der zwölf Jyotir Lingams (phallus-förmigen Schiwa-Ikonen) aufbewahrt. Mit zwei der Jyotir Lingams auf seinem Boden wurde Malwa zweifelsohne von den Göttern reichlich gesegnet, und Ujjain zählt zu den sieben heiligen Städten der Hindus.

Alle zwölf Jahre ist Ujjain der Veranstaltungsort des großen Festivals Kumbh Mela, das zwei legendäre Ereignisse feiert: das von den Gottheiten und Dämonen aufgepeitschte Meer, aus dem der Trank der Unsterblichkeit entstehen sollte, und die Sicherung des Kumbh (des Topfes mit dem Nektar des Lebens), wodurch Schiwa die Erde rettete. Es gibt vier Kumbh Melas im Lande, die alle zwölf Jahre abgehalten werden. Die anderen drei finden in Alla-habad und Haridwar am Ganges und in Nasik am Godavari statt.

Es gibt zahllose große und kleine Tempel in Ujjain. Jede Gottheit des Hindu-Pantheons hat hier ihr Heiligtum. Eines der schönsten ist der bezaubernde Gopal Mandir mit seinen herrlichen Silbertüren und der Statue von Krischna als Kind, eine Reinkarnation Wischnus.

In der Stadt steht zwischen alten Villen Jantar Mantar, das 1733 von Raja Jai Singh (dem König von Jaipur) erbaute Observatorium. Und Pilger wandern zum drei Kilometer entfernten Ashram, wo Krischna unter der Anleitung seines Meisters Sandipani studiert haben soll. Ausgrabungen vor der Stadt Ujjain haben die Überbleibsel einer Zivilisation zutage gefördert, die noch älter als jene der Mauryas ist. Kaiser Ashoka verbrachte hier einige Jahre als Vizekönig von Patliputra. Unter den Guptas und den Paramara-Königen war Ujjain ein Zentrum des Handels und der Lehre. Die Vikramaditya-Universität, vom gelehrten König Vikramaditya (375 bis 415) gegründet, an dessen Hof Kalidasa das Epos Ramayana verfaßte, ist immer noch eine der wichtigeren Bildungsinstitutionen.
Ujjain wurde von den moslemischen Königen Delhis im 12. Jahrhundert besetzt, wodurch ein indisches Paradox zustande kam: Die Bevölkerung der für die Hindus heiligen Stadt ist hauptsächlich moslemisch.

Mandu
Mandu ist umgeben von Seen und Wäldern, vom friedlich dahinfließenden Narmada und Palästen, wie sie selbst Kublai Khan nicht hätte besser bauen können. Mandu ist von außen betrachtet eine uneinnehmbare Festung, 45 Kilometer solider Steinwälle, zwischen denen nur das monumentale Bhangi-Tor Einlaß gewährt. Innerhalb der großen Mauern stellen auf den bewaldeten Hängen der Vinhya-Berge errichtete Audienzhallen, Paläste, Moscheen, Gärten, Teiche und künstliche Seen ein lebendiges Museum aus 200 Jahren Architekturgeschichte dar. Von 1400, als Dilawar Khan Ghori zuerst hier eintraf, bis 1562, als Akbar die Festung eroberte, erlebte Mandu die perfekte Synthese hinduistischer und moslemischer Architektur. Die Moschee von Dilawar Khan wurde (aus den Überbleibseln eines Hindu-Tempels, des Tomb of Hoshang Shah) aus schön dekoriertem Marmor erbaut, und das Ashrafi Mahal mit seinen herrlichen Torbögen ergänzt auf anmutige Weise die Jami Masjid mit ihren drei imposanten Kuppeln. Ihr Entwurf ist ein verständiger Kompromiß aus konvexen hinduistischen und konkaven moslemischen Formen. Alle Denkmale, Paläste und Moscheen bestechen durch ornamentelles Detail, das die Erhabenheit seiner Gesamtgestaltung betont. Das grandiose Grabmal von Sultan Mahmud Khalji des Delhi-Sultanats, 1450 erbaut, als er noch am Leben war, nimmt das Zentrum des Hofes des Ashrafi Mahal ein: weißer Marmor vor einem Hintergrund schwarzer, gelber und blauer Friese. Der in Ruinen stehende Tower of Victory mit seinen Balkonen besteht aus Marmor mit eingelegten bunten Steinen. Ein Wunder, von dem man nicht die Augen abwenden kann, ist das Jahaz Mahal, welches in der Form eines Schiffes in der Mitte eines künstlichen Sees errichtet wurde.

In der Nähe befindet sich der Hindola Mahal, ein Palast in der Form einer Riesenschaukel mit Terrassen, Hallen, 100 dekorativen Säulen, schönen Fassaden, zeremoniellen Treppen, superben Fenstern und mit Gittern aus Marmor. Mandu wird passenderweise Shadiabad, ,,Stadt der Freude“, genannt und ist auch die Stadt einer legendären Liebe. Baz Bahadur, der letzte unabhängige Herrscher Mandus, verlor sein Herz, als er das schöne Hindu-Mäschen Roopmati im Wald singen hörte.

Der superbe Palast von Baz Bahadur war mit seiner idyllischen Umgebung und 100 kühlenden Springbrunnen Zeuge dieser heißen, epischen Liebe. Später erbaute der König Roopmati’s Pavilion, einen Turm, in dem seine Königin dem Sonnengott Gebete darbrachte. Dahinter dehnten sich Terrassen aus, die vom Duft wilden Jasmins erfüllt waren und wo Tag und Nacht Musik erklang. Sie boten Aussicht auf die Ebene Nimar und den weit unten fließenden, reißenden Narmada. Romantische Balladen, die von der großen Liebe zwischen Baz Bahadur und Roopmati erzählen, sind ein Teil der Folklore von Mandu, und das tragische Ende der Liebenden wird von wandernden Poeten und den Geschichtenerzählern von Malwa zum besten gegeben. Baz Bahadur starb, als er seine Festung gegen die Armeen des Moguln Akbar verteidigte. Roopmati, deren Schönheit legendär war, wurde gefangengenommen. Doch sie nahm in einem Ring verstecktes Gift. Akbar machte Mandu ebenfalls zu seinem Refugium. Er soll hier am glücklichsten gewesen sein, die Schönheit der Vindhyas kontemplierend, während er dichtete. Ihm zu verdanken sind der Neelkanth Mahal samt Tempel und der Neelkanth Mandir, der für eine Hindu-Königin erbaut wurde.

Es gibt viel in Mandu zu sehen: den Hathi Mahal oder Elefantenpalast, der einst den Weisen Chisti beherbergte, das Hause of Gada Shah, wo auf einer Wand noch Spuren einer Wandmalerei zu sehen sind, die Baz Bahadur und Roopmati darstellen soll, und Rewa Kund, einen hübschen See, der von Baz Bahadur als Erfüllung eines Schwurs geschaffen wurde. Er hatte Roopmati versprochen, das Wasser des Narmada, der 2000 Meter unter durch eine Schlucht fließt, nach Mandu zu bringen, wenn sie ihn heirate.

Bagh
Vom romantischen Mandu bis zur Gelassenheit der buddhistischen Höhlenklöster von Bagh sind es nur 48 Kilometer. Die Höhlen, außen von tropischem Blattwerk bedeckt, erstrecken sich über 230 Meter Felsen; die Zellen darin sind quadratisch geformt und mit riesigen Säulen ausgestattet. Sie wurden zur gleichen Zeit wie die berühmteren Ajanta-Höhlen von Maharashtra (6. Jahrhundert) eingerichtet, und von vielen der Höhlenheiligtümer sind nur Ruinen übriggeblieben. Doch hier und da entdeckt man kunstvolle Buddhastatuen und andere Skulpturen. In manchen der Zellen findet man Wandmalereien im Ajanta-Stil, die beispielsweise eine königliche Prozession mit Elefanten und eine Kavalkade von Adligen darstellen, Gruppe von Musikern sowie Heilige und Mönche beim Gebet. Es sind Gemälde, die trotz der Verwüstungen der Zeit ihre Schönheit erhalten haben.

Jabalpur
Jabalpur im östlichen Madhya Pradesh ist eine rasch sich industrialisierende Stadt mit breiten, von brillanten Gulmohars (Flammenbäumen) gesäumten Alleen und einigen schönen Häusern im Kolonialstil, die im militärischen Kan-tonnementbezirk stehen. Die Stadt hat dem Besucher wenig zu bieten, doch ist ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung des umgebenden Landes. Jabalpur war einst ein Stützpunkt der Thugs, einer kriminellen Vereinigung, die rituelle Morde zu Ehren der von Kali begingen – jener Göttin, die eine Halskette aus blutenden Köpfen trägt. Die Thugs wurden von den Briten im 19. Jahrhundert ausgemerzt, doch die Kali geweihten Tempel ziehen immer noch Pilger an.

21 Kilometer von Jabalpur entfernt, in Beraghat an den Ufern des Narmada, steht der Chaunsath Yogini Temple, der 64 Asketinnen, Zofen der Göttin, geweiht ist. Priester, Pilger und sogar Führer raten Besuchern, der Göttin Ehre zu erweisen und eine Opfergabe wie Früchte oder Blumen im Tempel darzubringen, um ihren Schutz zu erhalten, bevor man die 135 Stufen zum Narmada-Fluß herabsteigt und an einer Boots-fahrt durch die phantastischen Marble Rocks teilnimmt. Der Fluß strömt durch fünf Kilometer unheimlich ruhiger Steilabfälle, die in marmornem Weiß glänzen. Die Bootsfahrt führt an sich auftürmenden Gipfeln mit Namen wie Monkey’s Leap, Elephant’s Foot oder Horse’s Head vorbei und zu den Dhuandhar Falls. Die Marmorfelsen sind schön am Tag sowie nicht geheuer und verblüffend in einer Mondnacht.

Oben in den Satpura Hills, der Hitze der Ebene entrückt, liegt die bezaubernde Bergstation Pachmarhi, wo der Legende zufolge die fünf Pandava-Brüder aus dem Mahabharata Zuflucht nahmen, als ihre Cousins, die Kauravas, sie aus der Hauptstadt Hastinapur vertrieben. Mit schönen Gärten, panoramischen Aussichten auf von dichtem Wald bedeckte Schluchten und Wasserfällen am Narmada ist Pachmarhi ein Refugium für die Müden und ein Paradies für den Wanderer, Felsenkletterer und Vogelbeoabachter.

Südlich von Jabalpur liegt die Stadt Mandla an den Ufern des Narmada; man erreicht sie über eine sich herrlich windende Bergstraße. Außer dem Fluß hat Mandla wenig Sehenswürdigkeiten zu bieten. Man muß die Stadt durchqueren, um die Tierreservate Kanha und Bandavgarh zu erreichen, 7000 Quadratkilometer Wald und Lichtungen, die dem Besucher von Oktober bis April offenstehen. Kanha ist zu Recht stolz auf seinen Tigerbestand. Der indische Tiger war vor 30 Jahren fast ausgestorben – wegen seiner Krallen begehrt, die ein Zauber gegen den bösen Blick sein sollten, und seines Fells. Heute streifen über 200 Tiger in Kanha frei durch den Wald und sind vor dem Menschen sicher. Es ist ein aufregendes Erlebnis, plötzlich eines dieser herrlichen Tiere über einen Weg laufen zu sehen, im Schatten eines Baumes schlafend oder an einem Wasserloch trinkend. Der Besucher ist natürlich auf dem Rücken eines Elefanten sicher, dem einzigen Transportmittel im Park. Kanha bietet auch Machans (Hochsitze) und Unterstände, von denen aus man Tiger fotografieren kann. Und bald wird man beginnen, die Zeichen zu erkennen, die auf einen nahenden Tiger hindeuten: Die Hirsche der Umgebung verschwinden, die Vögel nehmen still Zuflucht auf den oberen Zweigen, und sogar die Krähen verstummen. Es ist eine Stille, eine Erwartung, die nur vom Geschrei der Affen unterbrochen wird, das an Lautstärke zunimmt und von Baum zu Baum übergreift, andere Tiere vor der Gefahr warnend. Es nimmt Zeit und Geduld in Anspruch, den Leoparden, Panther, die Wildkatze und den Bären auszumachen; leichter zu beobachten sind Bisonherden an der nördlichen Grenze des Parks. Die Lichtungen und Wiesen, die vielen Teiche und natürlichen Wasserlöcher sind voller Hirsche: Herden gepunkteter Hirsche, elegante Schwarzhirsche mit spiralförmigen schwarzen Hörnern, große, staksige Nilgais und die herrlichen Barsinghas oder zwölfhörnigen Sumpfhirsche. Manchmal führt der Mahout (Elefantenmann) Besucher nahe an eine Herde heran und stört den Frieden: Köpfe werden zurückgeworfen, Ohren zucken und dann ein herrlicher Anblick – springen und tanzen Handerte von Hirschen in einer panikartigen Flucht. Die beste Zeit für einen Besuch Kanhas ist zwischen Oktober und März. Den Rest des Jahres ist es zu heiß und feucht. Die Tiere begeben sich zudem in die bewaldeten Berge, da die Wasserlöcher des Parks zwischen Mai und Juni austrocknen. Es ist ratsam, in den Waldgästehäusern bzw. Hotels lange im voraus zu reservieren. Es gibt
viele Nationalparks doch nur Kanha bringt Besucher in Teleobjektivreichweite eines Tigers.

Chattisgarh & Bastar
Die Gebiete Chattisgarh und Bastar, im fernen Osten von Madhya Pradesh gelegen, befinden sich auf keiner Touristenroute, denn dies ist Stammesterritorium, die Heimat der Gonden, Oraons, Saoras, Marias, Murias und einiger anderer ethnischer Gemeinschaften. Sie leben immer noch mehr oder weniger wie ihre Vorfahren, und selbst Anthropologen tun sich schwer, akzeptiert zu werden. Doch der Tourist mag sie während der Feierlichkeiten des Republic Day in Delhi (Januar) zu Gesicht bekommen oder bei Volkstanzfestivals, die den Zonal Cultural Centres im Winter organisiert werden.

Das Museum Bharat Bhavan in Bhopal verfügt über eine herrliche Sammlung von Stammeskunst. Beide Bezirke sind reich an Mineralien und anderen natürlichen Ressourcen. Die Korba-Kohlminen stellen Elektrizität für die Stahlfabriken in Bhilai, Bailadila und Rourkela zur Verfügung. Das Gebiet weist auch große Vorkommen an Eisenerz, Kupfer und Zinn auf sowie fast unbegrenzte Reserven an Kohle, Kalkstein, Dolomit und Bauxit. Die Industrie hölt Einzug: Gruben, Stahlfabriken, Aluminium -und Kupferschmelzhütten, Kraftwerke und Dämme sind entweder bereits in Betrieb oder werden errichtet, um den Bedürfnissen eines progressiven Landes gerecht zu werden. Doch während das Chattisgarh-Gebiet trocken, heiß und nur dünn bewaldet ist, erscheint Bastar grandios: außergewöhnliche Felsformationen, wie von der Hand eines Kollosses geschaffen, urzeitliche Wälder -und Wasserfälle ohne Würstchenbuden und anderes Drumherum. Es ist eine anstrengende Fahrt zu den großartigen Chitrakoot Falls am Indravati oder den Teerathgarh Falls, die 250 Meter tief fallen. Am Fuße der Wasserfälle sind die Kotamsar Kalksteinfelsen mit Höhlen durchsetzt, in denen Tropfsteine bizarre Formationen bilden.

Der nördliche Teil von Madhya Pradesh ist zugänglicher und bequemer von Delhi aus zu erreichen. Gwalior ist sechs Zugstunden entfernt, und man kann am selben Tag nach Khajuraho weiterefahren und wenn es die Zeit gestattet, kann man die Grand Trunk Road hinunterfahren, die berühmte, von Sher Shah Suri im 16. Jahrhundert erbaute Landstraße, die furchterregenden Schluchten überqueren, durch die der Chambal-Fluß sich seinen Weg nach Gwalior bahnt, und danach auf baumbeschatteten Straßen durch spektakuläre Landschaften nach Panna, Khajuraho und Rewa gelangen.

Die Festungsstadt Gwalior führt ihre Gründung auf eine Legende zurück. Ein junger Prinz namens Suraj Pal litt an der gefürchteten Lepra. Auf seiner Suche nach einem Heilmittel traf er den heiligen Gwalipa auf einem Plateau, wo heute das Fort von Gwalior steht. Der Heilige, von der Frömmigkeit des jungen Mannes beeindruckt, segnete den Prinzen, indem er einen Topf Wasser aus einer geheimen Quelle über seinen Körper goß und die Krankheit vertrieb. Er wies Suraj Pal an, sein Reich an der Stätte ihrer Begegnung zu errichten. Die geheime Quelle ist der heilige See Suraj Kund, wo sich Inder jeder religiösen Richtung Segen erhoffen. Das Great Fort, auf einem Hügel erbaut und von weitem sichtbar, erhebt sich aus imposanten grauen und rosafarbenen Steinwällen. Innerhalb der doppelten Mauern öffnet sich eine Welt der Tempel und Paläste; besonders fallen die superb gestalteten jainistischen und hinduistischen Tempel auf. Leider sind sie von moslemischen Invasoren zum Teil verwüstet worden. Die alten Paläste mit ihren blauen, von Mosaiken bedeckten Wänden sind stumme Zeugen einer tragischen Geschichte. Der Touristenführer wird davon berichten, daß Aurangzeb seine glücklosen Brüder folterte, um auf den Thron seines Vaters zu gelangen und Hofdamen sich in einem Akt des Jauhar (Massenselbstmordes) in ein brennendes Inferno warfen. Ein ganzer Teil des Forts war zudem abgeschlossen und verbarg ein dunkles Geheimnis. Der von den Führern gewisperten Litanei ist ferner zu entnehmen, daß sich unter der von Mauern umgebenen Fläche drei unterirdische Tunnel verbergen, die einst nach Jaipur, Agra und Varanasi führten. Sie wurden vermutlich als Verbindungsgänge und Fluchtrouten während des Aufstands von 1857, dem ersten indischen Unabhängigkeitskrieg, verwendet. Die berühmte Scindia School for Boys nimmt einen weiteren Teil des Forts ein. Diese im 19. Jahrhundert erbaute Schule war jungen Prinzen und den Reichen vorbehalten, und die Lehrpläne orientierten sich an Eton und Harrow, den großen öffentlichen Schulen Englands. Ungeachtet der britischen Ausbildung mußten die Schüler nicht auf die Annehmlichkeiten des Hoflebens verzichten. Sie brachten Diener, Pferde und sogar Elefanten mit, die hinter der Schule in einem großen Komplex untergebracht waren. Die alte Stadt Gwalior breitet sich am Fuße der Schutzwälle aus.

Jaivilas Palace, in dem die Königs Familie immer noch lebt, besticht mit schöner Architektur. Ebenso der Usha Kiran Palace, der nun ein Hotel ist. Seine prunkartigen Räume, antiken Möbel, Glaslüster und herrlichen Marmorböden bewahren den Glanz der Vergangenheit. Und während der Regenzeit erscheinen Hunderte von Pfauen wie herbeigezaubert.

Die kriegerische Königin Lakshmi Bai von Jhansi, einer nicht weit von Gwalior entfernten Stadt, wurde in der Stadt Lashkar während des Aufstands von 1857 getötet. Ihre Reiterstatue steht an jener Stelle, wo sie im Juni 1858 gefallen sein soll. Um sie herum breitet sich die Stadt aus. 100 000 Soldaten kampierten hier einst und schworen Mahadji Scindia, dem Herrscher von Gwalior Mitte des 18. Jahrhunderts, Treue. Lagerfeuer und Zelte haben heute einem geschäftigen Markt Platz gemacht, wo die berühmten handgewobenen Gwalior-Teppiche und bezaubernden Terrakotte-Spielzeuge angeboten werden, die lächelnde Dorffrauen mit Farben nach Wahl bemalen. Ein Musikfestival, das große Meister und junge Talente zusammenbringt, wird im Dezember im Miyan Tansen’s Tomb veranstaltet. Tansen, ein berühmter Musiker des 16. Jahrhunderts, war einer der Nauratans (neun Juwele) von Kaiser Akbars Hof. Doch mit oder ohne Festival – das Grabmal ist stets von Musik umgeben: Gesangsschüler lassen sich hier inspirieren, und fahrende Sänger berichten vom Glanz der Scindias, der Herrscher von Gwalior. Und in der Nähe des Grabmals zieht ein schattiger Tamarindenbaum Dichter an. Ebenfalls eine Besichtigung wert ist Gujri Mahal am Fuße des Forts. Der Palast beherbergt eine der schönsten Skulptursammlungen des Landes. Teli ka Mandir, ein Tempel aus dem 9. Jahrhundert, von Gwaliors Ölhändlern errichtet, verbindet zwei Architekturstile: Der Shikhara (Dachturm) ist im Stil des südindischen Gopurram gehalten, doch die dekorativen Datails sind rein nordindisch. Keiner von Gwaliors vielen naderen Tempeln ist so bezaubernd wie die Sas Bahu Mandir, Zwillingstempel, die allen Schwiegernüttern und Schwiegertöchtern geweiht sind. Eine Sanskritinschrift preist die Förderer Padampala und Mahipala, welche die Schreine im 11. Jahrhundert erbauen ließen. Die Türen, Wände und Säulen sind mit schönen Skulpturen versehen, doch auch hier haben die moslemischen Invasoren deren Köpfe und Gesichter abgeschlagen oder entstellt. Dennoch erinnern die Tempel an die architektonischen und dekorativen Traditionen des 300 Kilometer entfernten Khajuraho. Orcha, in 75 Kilometer Entfernung, ist eine hübsche mittelalterliche Stadt, die von Rana Rudra Pratap Singh im 16. Jahrhundert am Fluß Betwa errichtet wurde. Ein Labyrinth von Palastdächern, Festungsmauern, Tempeltürmen und Ehrenmälern erhebt sich in der Dämmerung aus dem Nebel, während man sich der Stadt nähert. Innerhalb des Forts steht ein bezaubernder kleiner Palast mit Höfen, Gärten und Galerien, die panoramische Aussichten über die Stadt und die bewaldete Umgebung eröffnen. Der Palast bietet vier reizende Suiten, die das einzige Hotel der Stadt darstellen. Es ist schade, daß nicht viele Besucher den Umweg nach Orcha machen, denn einer der Tempel der Stadt beherbergt eine Galerie mit wundervollen, primitiven Wandgemälden. Sie stellen mythologische Vögel, Elefantenkämpfe und Gottheiten dar. 60 Kilometer von Gwalior entfernt liegt Shivpuri, die Sommerhauptstadt der Scindias, hoch in den Vindhya-Bergen. Shivpuri wartet mit zwei hübschen Seen – Sakhia Sagar und Madhav Sagar – auf, dem Lebensraum des indischen Krokodils. Die Seen befinden sich in der Mitte des Madhav National Park. Der Park beheimatet eine große Vielfalt an Wild, vom Schwarzhirsch, über die Chinkara (Gazelle) bis zur vierhörnigen Antilope. Das in der Nähe liegende Karera Bird Sanctuary ist ein Refugium für einheimische Vögel und Zugvögel sowie einer der wenigen Nistplätze der gefährdeten indischen Großtrappe. Auf dem Weg nach Khajuraho, an einer Straße durch dichten Wald, liegt die verschlafene Stadt Panna, in deren Umgebung einst Diamanten gewonnen wurden.

Khajuraho
Dieses Heiligtum ist einer der bedeutendsten Tempelkomplexe Indiens, mit Südindiens Mahaballipuram zu vergleichen und reich an erotischen Skulpturen. Die Kriegerkönige der Chandella Dynastie errichteten die Tempel von Khajuraho zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert. Die Geschichtsschreibung weiß nicht, woher diese Dynastie kam, doch der Legende zufolge wurde der erts Chandella-Herrscher als Sohn des Mondgottes Chandrama und von Hemavati, der Tochter des Hohepriesters von Varanasi, geboren. Aus der Entfernung erscheinen die 22 der einst 85 Tempel wie eine Bergkette, die sich vor dem Blau des Himmels abzeichnet. Es erhebt sich Turm um Turm, und die höchste Spitze ist jene des Kandariya Mahade Temple, der Schiwa geweiht ist. Der Lingam (das Phallussymbol Schiwas) ist im Halbschatten des heiligen Ortes sichtbar, und der Gott selbst erscheint in verschiedenen Formen: mit hoch aufgetürmten Haar, das Wasser des herabstürzenden Ganges mit seinem Kopf teilend; Schiwa als Bettler Bhikshatanamurti; Schiwa umgeben von Lotusblumen, Waldnymphen und dem treuen Stier Nandi zu seinen Füßen, seinem vahana (Reittier). Von der westlichen Gruppe ist vielleicht der Lakshmana Temple das vollständigste der Heiligtümer. Auf diesem mit reichen Skulpturen versehenen Tempel ist ein Epos des Krieges und der Liebe dargestellt: Kämpfe zwischen Männern und Tieren, angreifende Elefanten, sich liebende Männer und Frauen, eine Zelebrierung des Lebens, die Wischnu gewidmet ist, der vom Lotus oder der Trompetenschnecke dargestellt wird. Gegenüber dem Lakshmana steht der Varaha Temple, Wischnus dritter Inkarnation in der Form eines Keilers geweiht, der über eine riesige schwarze Steinfigur mit fein herausmeißelten Details verfügt. Der winzige Mahadev Temple birgt die Steinstatue eines unter dem Gewicht einer stilisierten Katze gebückten Mannes, an die Legende um einen Erben des Chandella-Thrones erinnernd, der im Alter von 16 Jahren seinen Mut beweisen mußte, indem er einen Löwen mit bloßen Händen tötete. Kali, der Gattin und kosmischen Energie Schiwas, ist ein Schrein im Devi Jagdamba Temple geweiht; Darstellungen von Menschen, Drachen, Blumen und Bäumen bedecken jeden Zentimeter des Sandsteinschreins. Und Chitragupta ist ein kleiner Tempel mit der Statue des strahlenden Sonnengottes Surya, dem zu Füßen sieben Miniaturpferde liegen, welche die sieben Farben des Regenbogens symbollisieren. Vishwanath ist Schiwa, dem Herrn des Universums, geweiht. Dieses superbe Heiligtum kann sich der zartesten Skulpturen Khajurahos rühmen: anmutige weibliche Figuren, in einen Spiegel lächelnd, einen Dorn aus einem Fuß entfernend, etwas auf ein Auge auftragend, die Haare mit Juwelen geschmückt, die Körper in durchscheinenden Brokat gewandet. Der Nandi Temple weist eine schöne Darstellung von Schiwas Stier auf, und der nahe Parvati Mandir mit seinem einfachen Shikhara (Turm) wurde zur Ehre der Tochter der Berge und von Schiwas Gattin erbaut. Diese sublime und sinnliche Tempelgruppe, von grünen Wiesen und vielfarbigen Bougainvillea ungeben, glorifiziert die Frau. Sie ist überall: auf Tempelwänden, in Nischen, in einer Tür stehend, gegen eine Säule gelehnt – amourös und verspielt, reflektierend und scheu, Mutter und Geliebte. Khajuraho feiert auch die Liebe, und Männer und Frauen vereinen sich in unglaublichen Positionen im Haut – und Basrelief, ein veritables Kamasutra in Stein. Doch die körperliche Liebe weist über das rein Erotische hinaus. Das totale, bedingungslose Glück ist für den tantrischen Hindu die perfekte Vereinigung mit Gott. In der Mitte des Dorfes Khajuraho steht am Ende eines Labyrinths aus schmalen Gassen die östliche Tempelgruppe: vier Jain Schreine und drei Hindu-Tempel; das Ensemble wird von einer herrlichen Statue Hanumans, der Affengottes, dominiert. Der schönste ist der Parsavanath Temple, dem 23. Jain Tirthankara gewidmet, einer der erleuchteten Seelen, die Sterblichen dabei behilflich sind, ihr Heil zu finden. Hier bewachen die vier Hüter des Horizonts das Tor: Agni, Gott des Feuers, hat vier Arme und einen Bart mit Korkenzieherlocken; Yama, Gott des Todes, schwingt einen abgetrennten Kopf; Vayu, der Gott des Windes, und Kubera, der Gott des Reichtums. Im Tempelinneren sitzt die Göttin der Fruchtbarkeit zu Füßen von Parsavanath, eine Garbe Weizen in einer Hand und mit der anderen ein Kind an ihre Brust pressend. Die südlichen Tempel liegen vier Kilometer von Khajuraho entfernt. Zwei haben den Verwüstungen der Zeit standgehalten: Duladeo Mandir, Schiwa geweiht, und der Wischnu gewidmete Chaturbhuja. Die Götter werden durch Symbole repräsentiert, ihre Allgegenwart durch mehrere Arme und Hände. Die Keule symbolisiert Wischnu, ein Lotus die Reinheit und Schöpfung. Ardhanari, holb Mann und halb Frau ist Schiwa, der Löwenmann Narasimha Wischnus vierte Inkarnation. Khajuraho läßt sich nicht beschreiben, man muß den Tempelkompelx gesehen und erfahren haben, denn hier wurde des Menschen Hand von Gott geleitet. Die Zeit hat ihren Tribut von diesen Tempeln gefordert, und die besten ihrer Skulpturen und andere Schätze der Gegend werden im Archaeological Museum ausgestellt. Dazu gehören die Überbleibsel einer herrlichen Statue von Ganesch, dem Elefantengott, die Dashavatar – die zehn Inkarnationen Wischnus – und ein kleiner Schiwa als Ardhanari. Der Legende zufolge nahm Schiwa diese Form an, um seine Begierde, sich mit seiner Gattin Sati zu vereinigen, erfüllen zu können. Khajuraho ist in letzter Zeit ein Reiseziel für Flitterwöchner geworden; viele Frischvermählte kommen hierher, um sich eine harmonische Ehe zu wünschen.

Rewa ist ein kleines, verschlafenes ehemaliges Fürstenturm, einige Kilometer östlich von Khajuraho. Das Museum lohnt einen Besuch, da es eine bemerkenswerte Sammlung von Tierfellen und köpfen beherbergt. Das Fort ist ein phantastisches Gebäude mitten im Dschungel. Die kriechende und kletternde Fauna hat sich seiner fast ganz bemächtigt. Rewa machte in den fünfziger Jahren Schlagzeilen, als der Raja einen weißen Tiger im Dschungel fing. Die Wildkatze, Mohan genannt, haßte ihre Gefangenschaft, war einsam und weigerte sich zu fressen. Der Raja besorgte ihm also eine Braut, Mohini, ein gelbes Tigerweibchen. Ihr erster Wurf war enttäuschend gelb. Schließlich wurde Mohini von ihrem Sohn trächtig, und die Jungen waren weiß. Es gibt nun weiße Tiger in den Zoos ganz Indiens.

Tiger und Landschaften, Menschen und Denkmale, Romantik und Geschichte, Berge und Flüsse: Madhya Pradesh ist einer der vielen Bausteine des Mosaiks Indien, dieses riesigen, exotischen, schwer faßbaren und doch zugänglichen Landes.
 

Reiseangebote für Indien - Nepal - Bhutan

Rajasthan Reisen

Nordindien Reisen 

Ostindien Reisen 

Indien Spezialangebote

* Das indische Goldene Dreieck

* Die Höhepunkte Nordindiens Reise

* Erlebnisreiches Ostindien Reise

* Ayurveda Kur in Rajasthan

* Farbenfrohes Rajasthan Reise

* Rajasthan und Nordindien Reise

* Erlebnisreiches Ostindien mit Sikkim

* Frauen Reise in Rajasthan

* Rajasthan Reise mit Pushkar

* Nordindien und Nepal Reise

Sikkim Bhutan Reisen

* Rajasthan Reise für Frauen

* Märchenhaftes Rajasthan und Nordindien

* Ladakh intensive Reise

* Sikkim Bhutan und Nepal Reise

* Baden und Entspannen in Goa

* Festliches Rajasthan Tour

* Ladakh Reise zum Kennenlernen

* Ostindien Reise mit Sikkim

* Königliche Hochzeitsreise in Rajasthan

Südindien Reisen

* Nordindien und Nepal über Landweg

Nepal Reisen

* Indischer Schönheitssalon

* Südindien Intensiv Reise

* Ladakh und Nubra Tal Reise

* Nepal Intensiv Reise

* Kamelsafari in Rajasthan

* Reise Nach Kerala

Wild Life in Rajasthan

* Nepal zum Kennenlernen

* Pferdesafari in Rajasthan

* Südindien zum Kennenlernen

* Wild Life Reise in Rajasthan

* Nordindien und Nepal über Landweg

* Hindi - Sprachkurs

 Weitere Reiseangebote erfahren Sie auf unserer Webseite hier

Gruppenreisen Zentralindien Autovermietung Zentralindien
Gruppenreise-indien

Auto-Vemietung-Indien

Home  Email Kontakt Anfrage Über uns Reiseschutz Online Chatten Facebook

  www.indien-reise.com
© Indo Vacations. Alle Rechte vorbehalten.