Hinduismus in Indien, Religionen in Indien

Hinduismus in Indien 

Gott Ganesha, Hinduismus

Ganesch : der Elefantengott

Im Volksglauben war Ganesh der Sohn von Shiva und seiner Frau Parvati, Doch die Legende besagt, dass Parvati Ganesch schuf, um Schiwa die Unsitte auszutreiben, sie im Bad zu überraschen. Denn weder ihre Bitten noch Türsteher konnten ihn davon abhalten.

Eines Tages nahm sie die beim Bad verwendeten Öle und Salben, formte aus ihnen die Figur eines Jungen und erweckte sie mit einem Spritzer Ganges-Wasser zum Leben. Sie versah ihre Schöpfung mit Bärenkräften und bat sie, ihre privaten Wohnräume vor allen Eindringlingen zu schützen. Schiwa kam bald des Weges, und schob wie gewohnt den Wächter seiner Frau beiseite. Doch Ganesch lieferte solch einen heftigen Widerstand, dass der wütende Shiva seinen Kopf abschnitt.

Parvati war untröstlich, schimpfte Shiva einen Mörder und forderte, dass er ihren Sohn wieder lebendig mache. Doch der arme Shiva konnte Leben, das er selbst genommen hatte, nicht erneuern. Parvatis Klagen erschütterten die Erde und wurden auch in Kailash vernommen.

Die Götter erweckten Vishnu, den Beschützer, aus seinem ewigen Schlaf auf Ananta, der göttlichen Schlange; er sollte einen Weg finden, den Frieden wiederherzustellen. Vishnu konnte den Jungen nicht zum Leben erwecken, doch erfinderisch wie er war, nahm er den Kopf des ersten Wesens, das ihm über den Weg lief eines Elefanten. Shiva, bereit, alles zu tun, um das Weinen seiner Frau zu stoppen, setzte den Elefantenkopf auf den Körper des Jungen, und Wischnu verlieh ihm Leben. Dankbar darüber, dass Parvati mit dieser neuen Schöpfung zufrieden zu sein schien, versprach ihr Schiwa, fortan nie mehr seine Anwesenheit aufzuzwingen. Als Folge der Legende wird Ganesch als Dwarpala (Pförtner) in Tempeln und auch in Häusern dargestellt.

Kein Hindu beginnt ein neues Unternehmen oder betritt ein neues Heim, ohne zunächst an Ganesch zu beten. Der Elefantengott ist nicht nur Beschützer des Heimes, sondern auch der Gott des Glücks und des Überflusses.

Hinduismus ins Detail:

Der Hinduismus ist eine der ältesten Religionen der Welt. Seine Wurzeln reichen bis in das 3. Jahrtausend vor Christus. In Indien sind ungefähr 85 % der Einwohner Hindus. 1m Gegensatz zu anderen Religionen hat der Hinduismus keinen Gründer, keinen Propheten und keine teste Doktrin. Hinduismus ist nicht nur eine Religion, sondern er ist eine Lebensweise. Es wird gesagt, dass es in Hinduismus 330 Millionen Götter und Göttinen gibt. Nicht nur die Gottheiten werden angebetet, sondern auch Naturelemente werden verehrt z.B. die Luft, der Himmel, der Baum, verschiedene Tiere usw. Die Kuh wird als ein heiliges Tier und wie eine Mutter betrachtet. Die Gotter und Gottinnen haben verschiedene Formen und Inkarnationen. Sie besitzen ihre eigenen Reittiere oder -Vogel. Die Gottheiten werden mit vielen Händen, Waffen und durch verschiedene Symbole dargestellt. Jede Gottheit hat eine oder mehrere bestimmte Kräfte und Attribute. Und sie werden je nach dem Tag oder der Kraft, die sie bestizen, angebetet. Unter diesen zahlreichen Göttern gibt es drei Hauptgötter im Hinduismus. Sie sind Bramha, Vishnu und Shiva. Bramha wird bei Hindus als der Schöpfer des Universums angesehen, Vishnu als der Erhalter und Beschützer und Shiva wird als der Gott der Zerstörung und Wiederschöpfung betrachtet.
Hauptsächlich bestehen 3 Glaubensrichtungen im Hinduismus. Das sind Vishnuismus, Shivaismus und Shaktismus.


1) Vishnuismus: Hier wird Vishnu in seinen zehn Inkarnationen als Gott der Erhaltung und des Schutzes verehrt. Bei allen Inkarnationen kehrt Vishnu immer wieder auf die
Welt, um diese zu retten, wenn sie von dämonischen Kräften bedroht wird. Die ersten drei Inkarnationen waren Matsya (Fisch), Kurma (Schildkrote) und Varaha (Eber). Die vierte war Narsimha (halb Mann und halb Löwe). Dann erschien Vishnu in menschlicher Form als Vamana (Zwerg) und später als Parshuram. Die siebte und achte Inkarnation als Rama und Krishna sind die beliebtesten Formen von Vishnu. Bei der neunten war er Buddha, und die zehnte Inkarnation als Kalki steht noch aus. Seine Gemahlin ist die Göttin, Lakshmi, die als Göttin des Wohlstands betrachtet wird.

2
) Shivaismus : Shiva ist eine der ältesten Gottheiten Indiens. Er wird von den Gläubigen Hindus mit 1008 Namen gerufen. Er gilt als der große Yogi, der Gott der Fruchtbarkeit, Herr des Todes und der Zerstörung. Er zerstört das Böse und das Alte, um dem Neuen Platz zu machen. So wird er auch als Gott der Veränderung betrachtet. Er bekleidet sich mit einer langen Schurze aus Tigerfell und ist mit der Mondsichel geschmückt. Sein Reittier, Nandi (Stier) wird in Tempeln häufig vor dem Haupttempel von Shiva aufgestellt. In einer Hand trägt Shiva eine Schlange, die Zeichen der Fruchtbarkeit und Lebensenergie ist, und in einer anderen Hand hat er den Dreizack und eine kleine Trommel (damroo).
Damroo bedeutet der "Ton des Universums":
Eine weitere Erscheinungsform von Shiva ist das "Linga", das Phallussymbol. Es ragt aus der "Yoni", einem ringformigen Sockel, der das weibliche Geschlechtsorgan symbolisiert.
In vielen Shiva Tempeln werden von Hindus Linga und Yoni verehrt.

3)
Shaktismus : Bei Shaktismus werden bei Hindus die Göttinen verehrt. Shaktismus führt alles göttliche Wirken auf eine weibliche Kraft zurück. Nach Shaktismus sind auch die Kräfte hinter den männlichen Gottheiten wie Shiva oder Vishnu weiblich. Die weiblichen Gottheiten werden von ihren Hindu Anhängern in verschiedenen Formen und mit verschiedenen Namen verehrt z.B. Durga, Kali, Parvati, Vaishnavi usw. Im 11. Jahrhundert wurde Shakti als die höchste Kraft überhaupt begriffen. Bis heute ist die Shakti-Kult in Regionen wie Bengalen, Orissa, Assam und Gujarat bei Hindus sehr einflußreich.

Aurßer allen diesen Gottheiten sind noch einige Götter in der Hindu Religion sehr berühmt z.B. der Ganesha, der Gott mit Elefantenkopf. Er wird als Glücksbringer und Problembeseitiger betrachtet.

Die Prinzipien
Die zyklische Vorstellung von Geburt, Tod und Wiedergeburt ist ein fundamentaler Teil von Hinduismus. Die Individualseele (Atman) wechselt den Körper und wandelt von einem Leben zum nächsten, bis sie endlich durch Einswerden mit der Weltseele (Brahma) die Erlösung (Moksha) erlangt. Moksha ist die Befreiung von diesem Zyklus von Geburt und Wiedergeburt und das Ziel jedes gläubigen Hindus. Die Gedanken und Taten in dem einen Leben sind verantwortlich für das Schicksal im nächsten Leben. Um die Erlösung zu erlangen, muss der Hindu seine Pflichten (Dharma) vollkommen erfüllen. So wird bei Hindus der Tod nicht als etwas Endgültiges betrachtet, denn dabei stirbt nur den Körper und nicht die Seele.
Der ganze Lebensprozess, Pursharth genannt, wird in vier Teile geteilt : Dharma (die Pflicht), Artha (das Geld oder die Geldmittel), Kama (Freude) und Moksha (Erlösung).
Das ist der Weg, den der Hinduismus vorschlägt, um ein vollkommenes Leben zu führen.
Dieser Glauben zeigt, warum der Hindu als tolerant und geduldig angesehen wird. Denn er akzeptiert seine Leiden meistens klaglos als Teil seines Schicksals, das von seinem früheren Leben bestimmt wird und über das er keine Macht hat.

Das Kastensvstem
1m Hinduismus gibt es ungefähr 3000 "Jatis" oder Kasten. Aber hauptsächlich wird der Hinduismus in vier gesellschaftliche Gruppen geteilt, die mit Varna (Farbe) bezeichnet sind. Jede dieser Gruppen hatte einen festen Platz in der Gesellschaft und bestimmte
religiöse und soziale Pflichten. Die vier Varnas oder Hauptkasten sind: die Brahmanen (die Priester), die Kshatriyas (Krieger und Herrscher), die Vaishyas (Kaufleute und Landwirte) und die Shudras (Diener und Handwerker). Die ersten drei Gruppen sind die im ewigen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt zweimal geborenen, die die Rituale ausüben und die heiligen Texte studieren durften. Die letzte Gruppe stand aurßererhalb der hinduistischen Gesellschaft. Sie wurden als unreine Menschen betrachtet. Die untersten Kaste dabei war die Harijans, die Unberührbaren.

Was sind Kasten ?
Es existieren keine Kastenzeichen. Das Kastensystem gibt es natürlich, doch sein Wesen ist von kolonialistischen Historikern, die nur seine oberflächlichen Starrheiten sahen und es meist aufgrund mangelnder Kenntnis und Erfahrung verdammten, stark, verkannt worden. Es mutet jedoch seltsam an, dass sie nie die Parallelen zu dem europäischen System der Gilden erkannten, das Handwerker auf der Basis ihrer Spezialisierung in verschiedene gesellschaftliche und wirtschaftliche Gruppen aufteilte.

Denn darum geht es, etwas vereinfacht, bei dem Kastensystem: um eine hierarchische sozioökonomische Organisation der Gesellschaft, die sich entwickelte, als Indiens alte Zivilisation die nomadischen, Sanskrit sprechenden Arier absorbierten, die, von den Steppen Zentralasiens herkommend, sich in Nordindien niederließen. Die alten Hindus, “die Menschen des Tals des Indus-Flusses”, nahmen bald Funktionen und Spezialisierungen an, die wenig mit dem Bestellen des Bodens zu tun hatten. Die vier Kasten entwickelten sich aus einer Notwendigkeit heraus, denn mit der Entwicklung der Gesellschaft war es dem bäuerlich lebenden Menschen nicht mehr möglich, zugleich die Funktionen des Priesters, Kriegers, Kaufmanns und Handwerkers auszuüben.

Die sich wandelnden Lebensbedingungen hatten den Bedarf an Regierung, Verteidigung und Eroberung, Lehre und Handel, Arbeitern und Handwerkern zur Folge. Aufgrund der so entstandenen Rollenverteilung wurden die Menschen nach ihrer Funktion, ihrem Beruf und wirtschaftlichen Status eingeordnet. Die Kshatriya waren die Krieger, Prinzen und Könige-also der Adel; die Vaishyadie Bauern und Händler und die Brahmanen die Gelehrten und auch die geistigen Führer, die Lehrer und Vertreter des Gesetzes. Kein König konnte auf seine brahmanische graue Eminenz verzichten, und über die Jahrhunderte haben die Brahmanen immense Macht erlangt. Doch Macht, so sagen sie, korrumpiert, und obwohl heute alle hinduistischen Priester Brahmanen sind, halten sie nicht mehr wie einst die Menschen in ihrem Bann.

Die vierte Gruppe, die Shudra, sind die Dienst-leistenden: beispielsweise Arbeiter, Handwerker, Steinmetze.

Obwohl sie am Rande Der Gesellschaft lebten, hatten die Unberührbaren, die fünfte Gruppe der Hierarchie, doch eine wichtige Funktion: Aufräumearbeiten, etwa nach Beerdigungen, das Jagen und Töten von Tieren, das Arbeiten mit Leder und anderen unsauberen Materialien wurde von ihnen durchgeführt. Gandhi gab ihnen den Namen Harjan, was wörtlich übersetzt die Menschen Gottes bedeutet. Es gab auch eine sechste Gruppe, die Malecha (Aussenstehenden oder Fremden), die sich – wie die Griechen, Skythen und Andere Invasoren – in Indien niederließen und ihrem Beruf zufolge allmählich im Gesellschaftssystem aufgingen.

Das Wort “Kaste” ist nicht indischen Ursprungs, sondern geht auf das portugiesische Wort Casta (Rasse) und das lateinische casta (rein und unvermischt) zurück. Das Sanskritwort für das Gruppierungssystem ist Varna, das verschiedene Bedeutungen hat, doch oft als “Farbe” interpretiert wird. In einem Vers des Epos Mahabharata aus dem resten Jahrtausend v. Chr. erklaert der Weise Bhrigu: “Die Brahmanen sind hellhäutig, die Kshatriya sind rötlich, die Vaishyas gelb und die Shudras schwarz”.

Um noch einmal das Mahabharata zu zitieren “Wenn verschiedene Farben auf unterschiedliche Rassen schlissen lassen, dann sind alle Rassen gemischte Rassen. Die Hindus glauben auch, dass eines Menschen Varna von seinem Beruf und seinen Taten bestimmt wird und nicht durch die Geburt. Die Menschen des Altertums waren übrigens keine Rassisten. Denn Varna kann wie viele Sanskritwoerter seine Bedeutung je nach Zusammenhang veränden und Begriffe wie Form, Qualität, Klasse, Kategorie, Rasse oder Tugend meinen.”

Schließlich bezeichnete jedoch eine Gruppierung, deren Mitglieder durch Vererbung, Ehe, Brauch und Beruf miteinander verbunden waren. Mit der Entstehung der Gesellschaft diversifizierten sich die Berufe, und ganze Gruppen nahmen eine neue Identität an, die mit der wirtschaftlichen Aktivität ihres Contra (Clans) assoziiert wurde, wodurch Unterteilungen der Varnas entstanden. Die Gesetze der Varnas und besonders das Tabu der Heirat zwischen den Kasten haben die, “Reinheit” der Kasten aufrechterhalten.

Die heiligen Bücher
Die erste Etappe von Hinduismus wird als vedische Periode bezeichnet. 'Vedas" sind
heilige Schriften. Das ist ein Sanskrit Wort, das "Wissen" bedeutet. Ursprünglich wurden die Vedas van Rishis (Sehern) überliefert. Später zwischen 1000 v.Chr. und 500 v.Chr. wurden wichtige Texte niedergeschrieben. Es gibt vier Vedas: Rig-Veda, Atharva Veda, Yajur Veda und Sam Veda. Die Vedas sind in der alten indo-germanischen Sprache Sanskrit geschrieben worden. Der berühmte deutsche Gelehrte, Max Mueller, hat das
Rig-Veda ins Deutsch übersetzt. In den Vedas wird beschrieben, wie bestimmte Rituale zu Ehren der Götter durchgeführt werden müssen. Außer den Vedas gibt es noch einige heilige Bücher oder Schriften z.B. die Upanishads. Darin stehen nicht so viele Rituale sondern eher philosophische Spekulationen im Vordergrund. Ramayana und Mahabharata sind zwei riesige Epen, auf denen ein grorßer Teil von Hinduismus basiert. Die Geschichten, Figuren und Legenden, die hier vorkommen, gehören zum Alltagsleben eines Hindus. Diese heiligen Bücher enthalten verschiedene Lehren. Der berühmteste und heiligste Teil des Mahabharats, das Bhagvad Geeta, beinhaltet die Predigten von dem Gott Krishna an Arjuna während des Mahabharata Kriegs. Diese Lehren sind die Basis der Lebensphilosophie eines Hindus.

Keine Bekenntnisreligion
Yoga und Meditation spielen auch eine große Rolle im Hinduismus, um Erlösung zu erlangen. Obwohl die Opferrituale im Hinduismus im Vordergrund stehen, braucht man nicht jeden Tag zum Tempel zu gehen oder irgendwelche feste Riten zu machen. In dem Sinne ist Hinduismus eine sehr flexible Religion. Wenn jemand als Hindu geboren ist, bleibt er sein ganzes Leben lang Hindu, egal ob er sich an seine Prinzipien hält oder nicht. Hinduismus ist keine Bekenntnisreligion. Man kann nicht dazu bekehren. Man muss als Hindu geboren sein.
In Hinduismus wird die Heirat von den Eltern arrangiert. Man darf nur innerhalb der Kaste heiraten. Die Leichenverbrennung ist auch ein hinduistisches Ritual.

Der Guru
Das Konzept von "Guru" ist sehr wichtig im Hinduismus. Der Guru ist nicht nur ein Lehrer sondern ein "geistiger Führer". Er zeigt einem den richtigen Weg im Leben. Wenn man auf der Suche nach Spiritualismus ist, braucht man einen Guru. Man verehrt den Guru fast wie ein Gott. Er steht nur eine Stufe niedriger als der Gott. Nur ein Sadhu, oder ein wandernder Asket, ist in der Lage, ohne Guru die Wahrheit des Lebens zu suchen. Sehr oft sind die Sadhus ältere Menschen, die ihre familiären und sozialen Pflichten erfüllt und alles Materielle aufgegeben haben, um die letzte Phase des Lebens als Asket zu verbringen.
Es ist sehr schwer, Hinduismus mit Worten zu erklaren, weil es nicht nur eine religiöse Theorie ist. Hier steht alles, was zum Leben gehört und dafür wichtig ist. Er enthält z.B. auch die folgenden Wissenschaften : Ayurveda (pflanzliche Heilkunde), Ankganit (Mathematik), Khagol Vigyan (Kosmologie), Tantra (Körperwissenschaft) , Yantra (Geometrie), Kama Sutra (Liebeswissenschaft), Natya Shastra (Tanz), Vadhya Shastra (Musik), Gayan Shastra (Singen) usw.
Deshalb sagt man, dass der Hinduismus keine Religion sondern eine Lebensweise ist.

Das Ramayana
Alles, was in der Menschheit an gutem steckt, ist in den Taten des Gottkönigs Ram, des Herrschers von Ayodhya, konzentriert vorhanden. Dieser moralische Mann ist die Hauptfigur von Indiens beliebtestem Epos: Das Ramayana, vom Weisen Valmiki verfaßt, ist die Geschichte von Rams Reise durch das Leben und wird im Stil einer mittelalterlichen Moralität dargestellt.

Die Hauptgeschichte erzählt von Rams Verbannung aus dem Reich Ayodhya. Ram war der Thronfolger, nicht nur, da er der älteste von vier Geschwistern (von drei Müttern) war, sondern auch aufgrund seiner Taten.

Doch sein Vater sandte ihn für 14 Jahre Fort, da er ein Versprechen gegenüber Rams Stiefmutter einlösen mußte, die ihrem eigenen Sohn Bharat auf den Thron verhelfen wollte. Im Exil wird Rams Frau Sita vom Dämonenkoenig Ravana, der aus Lanka stammt, entführt. Mit der Hilfe von Hanuman, dem Affengott, geht Ram gegen Ravana vor. In einer großen Schlacht wird Ravana getötet (da er zehn Köpfe hat, muss jeder von ihnen separate zerstört werden). Dieses Ereignis wird heute während des Festes Dussehra als Historienspiel nachvollzogen.

Eine der Taten während der langen Schlacht ist, dass Hanuman die Stadt Lanka mit seinem Schwanz zündet und dann zum Himalaya fliegt, wo er ein seltene Kraut sucht, das Rams Bruder Lakshman wiederbeleben könnte. Als er es nicht finden kann, bringt er den ganzen Berg zurück!

Über die Jahrhunderte hat das Ramayana nachhaltig die Literatur beeinflußt, und es existieren nun verschiedene Ausgaben des Epos. Sein weniger beliebter Teil erzählt von Sitas Verbannung aufgrund eines von einem Dhobi (Wäscher) geäußerten Verdachtes, von der Geburt der Zwillinge Rams und Sitas in einem Wald und ihrer Entdeckung durch ihren Vater, gegen den sie eine Schlacht austragen. Das Epos endet damit, dass Sita die Mutter Erde bittet, wieder in ihren Schloss zurückkehren zu dürfen, und die Erde sie verschluckt.

In der letzten Zeit haben Feministinnen den unterwürfigen Charakter Sitas verurteilt und Ram dafür kritisiert, dass er seine Frau verbannt, nur um die Leute vom Beifall abzuhalten. Den noch zieht die Aufführung des Stückes bei den Festen Dussehra und Diwali im ganzen Land viel Interesse an. Ram, dem perfekten Gott, seiner Frau Sita, dem Bruder Lakshman und dem Affengott Hanuman sind zahlreiche Tempel im ganzen Land gewidmet.

Das Mahabharata
Das Mahabharata zählt zu den größten literarischen Werken Indiens und genießt eine Popularität, die über Religion und Kaste hinausgeht. Das Epos ist so universell, dass der renommierte Regisseur Peter Brooks es mit internationaler Besetzung als neunstündige Aufführung im französischen Avignon inszeniert hat und später für die Leinwand adaptierte.

Anders als beim Ramayana geht es im Mahabharata nicht um Perfektion. Dieses grosse Epos mit seinen verschiedenen Nebenhandlungen befasst sich mit menschlichen Schwächen, mit Rivalität, Eifersucht und der Lust nach Macht.

Die Könige des Reiches Bharat wurden in einem demokratischen Verfahren ermittelt. Doch Devvrat, der Thronfolger Hastinapurs, verzichtete auf die Krone, um seinem Vater die Verbindung mit seiner Stiefmutter zu ermöglichen. Von da an nahmen die Dinge in der Hauptstadt Hastinapur eine Wende zum schlechteren. Als ein blinder Prinz wegen seiner Behinderung nicht Thronfolger werden kann und seinem jüngeren Bruder Vortritt lassen muss, führt sein Ehrgeiz, den Thron doch für sich und seine Söhne (den Kauravas) zu sichern, zur großen Schlacht mit den fünf Pandava-Prinzen. Dieser Kampf ist das zentrale Thema des Epos Mahabharata.

Die 100 Kaurava-Prinzen hatten die Macht des Reiches hinter sich versammelt; die fünf Pandava-Brüder, die als verdienstvoller Posten zu sein, und es kam ihnen der Gott Krischna zu Hilfe. Die Schlacht wurde durch eine List Krischnas gewonnen, der daran als Arjuns (eines der Gerechteren der Pandavas) Wagenlenker teilnahm. Arjuns Widerwille, gegen Mitglieder seiner Familie zu Kämpfen, brachte ihm auf dem Feld eine Lektion von Krischna ein – dies ist das Thema eines weiteren philosophischen Werkes, der Gita.

Die Sünden ihrer Ahnen warfen in der Schlacht ihre Schatten auf die jungen Prinzen; die mutigen Krieger fielen nacheinander, und der große alte Mann Devvrat lag schließlich selbst im Sterben. Es muss ein schaler Sieg für die Pandavas gewesen sein, denn sie verloren auch ihren Halbbruder Karan, der aus der Vereinigung ihrer Mutter mit dem Sonnengott hervorging. In einem Teil des Mahabharata geht es darum, dass die gemeinsame Frau der Pandavas, Draupadi, im Kaurava-Hof gedemütigt wurde, als sie beim Würfelspiel an die Gegner ging. Später versucht sie die Pandava-Prinzen dazu zu bewegen, sie in einem Kampf zu rächen.

Liegt dem Mahabharata eine historische Wahrheit zugrunde? Es ist sehr wahrscheinlich. Die Schlacht, die in Kurukshetra, im heutigen Haryana, ausgetragen wurde, ist detalgetreu beschrieben worden; Tempel und Gebäude, die dem Gedenken der Pandavas gewidmet sind, findet man in bestimmten Gebieten des Himalaja und in bewaldeten Teilen des Landes, was auf ihre Reiseroute im Exil schlissen lässt. Es ist möglich, dass sich diese Ereignisse irgendwann in der Geschichte Indiens abgespielt haben, wobei man dem Epos natürlich eine gewisse dichterische Freiheit zugestehen muss.

Puja in Kalkutta
Die erste indo-persische Invasion hatte die Ebene von Bengalen nicht ganz erreicht. Die meisten der patriarchalischen Stämme ließen sich mit ihren Herden in der Gebieten der heutigen Bundesstaaten Punjab, Haryana und Uttar Pradesh nieder. Manche siedelten sich auch in Bengalen an, doch die existierende Kultur des Landes, basierend auf der Verehrung der Muttergöttin, herrschte vor. Dieser Kult ist wahrscheinlich auf einen himalaja-mongolischen Einfluß und jenen drawidischer und vordrawidischer Religionen zurückzuführen. Er erreicht seinen Höhepunkt während der großen Herbstfeiern Durga Pooja, die im Flachland der östlichen Region stattfinden.

Monate vor den wochenlangen Festlichkeiten fertigen Figurenmacher die Bambusformen, um welche die Figuren gegossen werden. Dem Flusslehm wird dann die richtige Konsistenz verliehen, und die Schönen, vielartigen Figuren der Durga Mata (Mutter Durga) entstehen.

Währenddessen sammeln in Kalkutta Familien, Straßen, Dörfer, kulturelle Vereinigungen und Schulen Geld, um ihre Pandal (Durga-Buehne) bauen zu können.

Das Puja explodiert dann in ganz Kalkutta mit lauter Musik, festlichen Beleuchtungen, dem Austausch von Geschenken und Strömen von Menschen, die sich von morgens bis abends in die Stadt ergießen, bezaubert von den Figuren dieser Schutzgoettin auf ihrem Tiger, die den gefallenen Dämon der Dunkelheit besiegt. Es scheint, als ob hier Weihnachten, Neujahr, Ostern und Fasching auf einmal gefeiert wurden. Es ist wirklich berauschend, zu dieser Zeit in Kalkutta zu sein.

Wenn die Tage des Puja vorbei sind, werden die kunstvollen Figuren in einer Prozession zum Fluß getragen und in den Hooghly getaucht. Langsam treiben die Blumenkraenze davon, löst sich der Lehm auf und kehrt in den Fluß zurück, aus dem er gekommen war.

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